Meinung gekauft?

Ich habe neulich eine Anfrage von einem Autor bekommen, der mich fragte ob ich denn sein Buch rezensieren würde. Das Exemplar dafür wolle er mir gerne zuschicken. Er gab mir eine kurze Zusammenfassung zu seinem Werk und verwies mich auf einen Online-Shop, bei dem ich eine Leseprobe einsehen könnte, um festzustellen, ob das Buch meinen Geschmack trifft – tat es leider absolut nicht. Ich bekam direkt ein schlechtes Gewissen, weil ich weiß wie sehr „kleinere“ Autoren um Rezensionen, Feedback und überhaupt eine Plattform kämpfen müssen. Ich stecke selbst gerade in der Situation einer Neuautorin und kann mir durchaus denken, dass sich eine Zurückweisung (egal wobei) nicht gut anfühlt. Also – was würde ich ihm antworten? Tu ich ihm den Gefallen, lese und rezensiere sein Buch? Teile ich es anschließend mit euch und streue seine Bekanntheit so in eine andere Richtung? Oder lehne ich es ab? Nehme ihm die Hoffnung auf eine weitere ehrliche Bewertung und Wachstum?

Ich muss zugeben, dass ich seine Nachricht lange ungelesen in meinem Postfach liegen hatte. Es ist nicht so, dass ich ständig eine unüberschaubare Anzahl an Rezensionsexemplaren zugeschickt oder angefragt bekomme. Aber wenn ich rezensiere, möchte ich auch hinter dem Buch stehen. Es muss für mich ein Buch sein, dass ich bei einem Privatkauf niemals hätte zurücklassen können. Ich kenne die Klappentexte und Cover der Bücher die JEDES Mal in meinem Einkaufsbeutel landen – dieses gehörte leider nicht dazu. Und das habe ich ihm auch so mitgeteilt. Ich antwortete, dass es mir leidtut, aber ich jedem Buch die Chance auf eine faire Bewertung geben möchte. Dass ich es leider nicht kann, wenn das Buch nicht meinen Geschmack trifft und ich von vornherein irgendwie befangen bin. Das war meine ehrlichste und fairste Antwort, die ich ihm auf seine Anfrage geben konnte. Er hat sich bedankt, für meine Ehrlichkeit. Und ich wusste ich habe alles richtig gemacht.

Ich sehe viele Buchblogger, die, in meinen Augen, verloren haben um was es geht. Alles wird abgegriffen – Hauptsache kostenlos. Die guten Rezensionen werden dann für die kostenlosen Bücher gerne gegeben – Meinung gekauft? In meinen Augen ja. Man möchte immer mehr, immer größer sein. Viele Bücher bekommen, viele Likes, viele Follower. Es soll niemandem auf den Schlips getreten werden, deswegen wird beschönigt, damit der Autor mehr verkauft, damit der Autor mich mag, Kooperation mit mir eingeht, immer wieder auf mich zurückkommt. Und das ist das, wo ich nicht hinkommen möchte. Natürlich würde kein Buchblogger zugeben, so zu arbeiten. Aber man merkt leider, bei wem sich der Fokus verändert. Bei mir werdet ihr nach wie vor „meine“ Bücher finden. Natürlich greife ich auch da mal daneben, bewerte nur mit 2 Sternen. Aber dann gebe ich es zu. In meinen Augen ist ehrliche Kritik besser als keine Kritik. Wie soll man sich verbessern, wenn man denkt man mache keine Fehler? Mein erstes Buch wird sicher auch nicht so gut, wie ich denke oder es mir wünschen würde. Aber ich wünsche mir vor allem ehrliche Rezensenten und Rezensionen. Niemand ist perfekt – wäre ja gruselig, wenn das so wäre.

Ich hoffe ihr lauft jetzt nicht alle weg, nur weil ich meine ehrliche Meinung offenlege. Und wenn doch, dann ist das halt so, aber dann habt ihr auch nicht verstanden, was dieser Text sagen soll und worum es mir ging. Ihr müsst meine Meinung auch überhaupt nicht teilen, vielleicht bin ich zu kritisch, zu misstrauisch und paranoid. Aber ich möchte einfach ein faires Miteinander zwischen Autoren und Lesern, Autoren und Rezensenten. Wir haben alle eine gemeinsame Leidenschaft und das sind in diesem Fall nicht die Zahlen – sondern die Buchstaben.