André Wegmann: Die Mächte des Bösen

[Gekennzeichnet als Rezensionsexemplar]

Über das Buch:

Inhalt:

Privatermittler Christian Harms wird engagiert, um das spurlose Verschwinden einer Studentin aufzuklären. Wenig später taucht die bestialisch zugerichtete Leiche einer weiteren vermissten Frau auf. Treibt ein Serienmörder im beschaulichen Oldenburg sein Unwesen? Harms, der Unterstützung von der Soldatin Anna erhält, findet eine vielversprechende Spur, doch schnell tun sich tiefe Abgründe auf. Während Anna immer mehr Zeit bei zwielichtigen Kampfveranstaltungen verbringt, sieht Harms sich mit Mächten konfrontiert, die keinerlei Grenzen kennen.

Meine Meinung:

Das Buch „Die Mächte des Bösen“ von André Wegmann ist bereits der vierte Fall für Privatermittler Christian Harms. Aus dem direkten Vorgänger kennt man als Leser noch Anna, die jetzt als Protagonistin und Freundin an Harms‘ Seite gestellt wird. Der Beginn der Geschichte gibt zunächst keine Hinweise auf eine übernatürliche Bedrohung – wie man aus Erfahrungswerten der Vorgänger-Bände eigentlich erwarten würde. Harms wird mit einem zunächst gängigen Fall einer vermissten Studentin betraut. Währenddessen entsteht auch rund um Anna ein eigener Handlungsstrang. Als Ermittlungshilfe ihres Partners gelangt sie in einen Kreis illegaler MMA-Kämpfe und beschließt als Teilnehmerin ihr Glück zu versuchen. Ohne es zu ahnen, gerät sie dadurch in das Blickfeld unangenehmer Zeitgenossen. Harms ist mir das erste Mal stellenweise unsympathisch. Er hat seine Emotionen nur bedingt unter Kontrolle und auch sein ungesundes Verhältnis zum Alkohol ist mir oftmals eher sauer aufgestoßen. Aus seiner Art resultieren schließlich auch recht negative Handlungen, die in meinen Augen für ihn eher untypisch und vor allem unangenehm erscheinen. So richtig verstehen konnte ich diese Entwicklung nicht, zumal Anna an seiner Seite ihn vielmehr erden sollte. So wirkt er leider zunehmend überheblich und arrogant, was ihn extrem anfällig für Fehler macht – zu denen es dann auch in verheerendem Umfang kommt. Anna hingegen mag ich ziemlich gerne. Sie hat eine toughe, lockere Art, ohne dabei aufgesetzt oder unnahbar zu wirken. Die Geschichte an sich fand ich recht solide. Sie hebt sich definitiv von den bisherigen Fällen rund um Harms ab, da alles etwas entschleunigt wirkt. Bis wir zum eigentlichen Ursprung allen Übels ankommen, geht mehr als die Hälfte der Seiten ins Land. Die Thematik rund um die Schwarzmagie, Drogen und Sekten im dargestellten Zusammenhang ist authentisch recherchiert, das wird einem nicht nur beim Lesen sehr bewusst, sondern auch wenn man sich das Nachwort etwas genauer anschaut. Leider muss ich sagen, dass der Spannungsbogen zu lange aufgebaut wurde. Dem gegenüber steht ein eher zügig abgehandeltes Ende, in dem es zu einem erwarteten Showdown kommt. Die Geschichte ist damit beendet und ließ mich eher unbefriedigt zurück. Eine Wendung hat der Autor jedoch in dieses Ende eingebracht, die ich so niemals erwartet hätte. Einerseits konnte dieses unerwartete Überraschungsmoment bei mir auf jeden Fall punkten, andererseits wusste ich in dem Augenblick nicht, wie ich diese Entwicklung per se finden sollte. Für mich bedarf in dem Fall einer Fortsetzung, um diese neu eröffnete Bedrohung als eigenständigen Handlungsstrang noch viel stärker zu konkretisieren.

Bewertung:

Dieses Buch ist nicht mein liebster – um es leider so ausdrücken zu müssen der für mich schwächste – Harms-Thriller. Aber ich mochte das späte Einsetzen des Übernatürlichen. Das hebt sich von den Vorgängern stark ab, da die Geschichte lange einen „normalen“ Thriller-Charakter hat. Das Suchen nach der vermissten Studentin bringt für Christian Harms alltägliche Ermittlerarbeit mit sich, sodass wir hier mal ein anderes Bild von ihm zu sehen bekommen. Nach dem gebotenen Ende verdienen wir auf jeden Fall eine Fortsetzung, denn im besten Fall wurde die Haupthandlung grob angerissen. Es sind viele Fragen und Entwicklungen offen geblieben. Das Buch konnte mich leider nur bedingt in seinen Bann ziehen und dann auch eher zum Anfang hin.

Schreibstil: 5/5
Charaktere: 3/5
Geschichte: 3/5
Überraschungen/Wendungen: 3/5
Spannung/Atmosphäre: 3,5/5

Bewertung: 3.5 von 5.