
Über das Buch:
Autor: Armands A. Asimov
Titel: Iter
Reihe: Animals Lane: Passus III
Herausgeber: BoD – Books on Demand
ISBN: 978-3819247521
Preis: 8,99 €

Inhalt:
Am schiefen Hang des Kienbergs versammelt sich Delia inmitten eines Heeres von Erdkröten. Es ist Zeit für ihre alljährliche Amphibienwanderung. Während der Frühling mit seinen grünen Fingern lauernde Gefahren aus ihrem Winterschlaf erweckt, tragen Delia und ihre Gefährten einen ungebrochenen Willen in sich. In ihren Adern pulsiert die Erinnerung an das Wasser, in dem sie das Licht der Welt erblickten und in dem sie ihre Nachkommen zeugen werden. Jedes Opfer ist gerechtfertigt, um das ersehnte Vergissmeinnichtufer zu erreichen. Die Reise ist gepflastert mit Hindernissen und Bedrohungen, doch in den Augen dieser winzigen Wanderer funkelt eine unbezwingbare Entschlossenheit – selbst wenn es sie das Leben kostet.
Meine Meinung:
Die Animals Lane Reihe besteht aus kleinen Novellen, die sich jeweils einer Tierart widmen und vor allem augenöffnend auf den Lesenden in Bezug auf den Umgang mit nicht menschlichen Spezies wirken sollen. In „Passus III: Iter“ ist die hauptsächlich agierende Figur eine Erdkröte namens Delia. Während Band Eins der Reihe von domestizierten Tieren und Band Zwei von, für den Menschen, Nutztieren erzählt, widmet sich der dritte Teil dieser Reihe einer Tierart, die für uns Menschen auf den ersten Blick weder Nutzen noch Vorteile bringt. Um es ehrlich zu sagen, handelt es sich um eine Art, an die die meisten Menschen nicht viele Gedanken verschwenden: Erdkröten. Ich finde die Wahl der Tiere vom Autor wirklich faszinierend und gelungen zugleich. Jedem bisher begegneten Tier, von Band Eins angefangen, kann man sofort eigene Emotionen und Berührungspunkte zuschreiben. Kröten sind für einige Menschen der Auslöser von Ekel, andere sehen sie neutral oder sie sind ihnen egal. Spannend ist in dieser Novelle das beinahe vollständige Fehlen aktiven menschlichen Eingreifens. Dennoch porträtiert der Autor in diesem Buch einen beinahe symbiotischen Kampf zwischen natürlichem Instinkt und menschlichen Einflüssen in der Natur. Die Kröten finden auf ihrem Weg keinerlei unberührte Natur. Und obwohl ihnen ihr Verstand diese Gefahren eindeutig aufzeigt und ihre innere Stimme davor warnt, siegt der Instinkt in jeder Situation. Armands A. Asimov stellt diese Situationen sehr authentisch dar, ohne zu Übertreiben. Alle Hürden, die Delia und ihre Gefährten meistern müssen, erweckten in mir den Gedanken von trauriger Wahrheit. Jeder natürliche Aspekt, möge er für uns Menschen noch so unbedeutend oder unsichtbar sein, hat seine Daseinsberechtigung und für andere Lebewesen einen Sinn. Mit unserer Scheuklappenmentalität zerstören wir ganze Lebensbereiche – oftmals ohne uns dessen bewusst zu sein. Die Botschaft kommt in diesem Buch sehr klar an. Verstärkt wird sie durch die Tatsache, dass der Autor ein so „unsichtbares“ Tier gewählt hat. Eindrucksvoll bildet er dabei auch ab, wie vermeintliche Hilfe unsererseits ebenfalls ein widernatürliches Eingreifen in natürliche Abläufe und Instinkthandlungen darstellt, und eher ausbremsend, wenn nicht sogar ebenso schädlich, wirkt. Jedes Buch dieser Reihe belehrt auf eigene Weise, öffnet jedes Mal in einem neu gewählten Bereich die Augen des Lesers. In diesem Teil fehlte mir jedoch der Transport von Emotionen. Ich habe die Geschichte gerne gelesen und auch den metaphorisch erhobenen Zeigefinger sehr deutlich wahrgenommen, allerdings fehlte mir inhaltlich die Tiefe zu den Figuren, damit ich auch auf emotionaler Ebene abgeholt werden konnte. Die Gedanken der Kröte Delia werden durchaus übermittelt und ich vermute, dass der Autor bewusst Instinkt über Emotionen in seiner inhaltlichen Darstellung dieser Gedanken stellt. Dennoch hat das bei mir einfach einen fehlenden Zugang zu Nahbarkeit und Mitempfinden zur Folge gehabt. Insgesamt habe ich gleichermaßen atmosphärische Düsternis in diesem Zusammenhang vermisst, sodass die bedrückende Grundstimmung, wie ich sie aus den Vorgängern gewohnt war, leider nicht beim Lesen aufgekommen ist.
Bewertung:
Trotz meiner Kritik muss ich sagen, dass ich die Reihe wirklich liebe. Bei einer persönlichen Rangfolge würde dieses Buch bisher auf dem letzten Platz stehen, einfach weil ich bei solch wichtigen Themen ein Angreifen meiner eigenen Emotionen sehr hoch bewerte. Das war hier für mich nicht der Fall. Die Schilderungen sind durchaus düster, aber die inhaltliche Grundstimmung konnte dies leider nicht auf mich übertragen. Dennoch ist die Geschichte wahnsinnig interessant und inhaltlich bisher – für mich zumindest – am lehrreichsten. Man hat das Gefühl, dass man nach dem Lesen dieses Buches mit einem anderen Blick in die Natur geht und hinsieht, wo man es bisher einfach nicht getan hat.
Schreibstil: 5/5
Geschichte: 3,5/5
Charaktere: 3/5
Spannung/Atmosphäre: 2,5/5
Überraschungen/Wendungen: 3,5/5
Gesamtbewertung: 3,5/5