C. J. Cooke: Der Geisterwald

Über das Buch:

Inhalt:

1965 wird die junge Pearl zur Entbindung nach Lichen Hall geschickt, einem gotischen Herrenhaus, das in Schottland inmitten eines Waldes steht. Unverheiratete Frauen kommen hierher, um heimlich ihre Kinder zur Welt zu bringen.Doch in Lichen Hall lauert Gefahr. Seltsame Schimmelpilze überwuchern die Wände und gespenstische Geheimnisse kriechen aus dem dunklen Wald heran …

Meine Meinung:

C.J. Cooke hat es in ihrem Buch „Der Geisterwald“ geschafft, einen spannenden Gothic-Thriller mit Feminismus-Elementen zu vereinen. Dieses Buch strotzt nur so vor starken, weiblichen Charakteren. Im Fokus stehen dabei unsere beiden Protagonistinnen Mabel und Pearl. Die Geschichten der beiden sind recht ähnlich: beide sind unverheiratet, ungewollt schwanger und mittellos – und das in einer Zeit, in der das das gesellschaftliche Todesurteil für Frauen bedeutete. Im Wechsel begleiten uns die Perspektiven der beiden durch die Geschichte. Mabels Geschichte beginnt im Jahr 1959, während die von Pearl 6 Jahre später, im Jahr 1965, stattfindet. Mir fiel es anfangs schwer, dem Wechsel zwischen den beiden zu folgen, da nicht nur ihre Schicksale recht ähnlich sind, sondern auch ihre Unterkunft identisch und damit auch die Nebenfiguren, die beide Frauen während ihrer Schwangerschaft in Lichen Hall begleiten. Dennoch kam ich nicht von dem Buch los und habe mit wachsendem Entsetzen und Interesse gleichermaßen die Geheimnisse rund um das gruselige Herrenhaus und seine Vorkommnisse im Inneren und drumherum erfahren wollen. Die Autorin baut gekonnt gruselige Momente ein, die eine beklemmende Atmosphäre schaffen. Beispielsweise der faszinierende und zugleich ekelhafte Bezug zu Pilzen und Flechten. Dieses Element zieht sich durch die ganze Geschichte, scheint immer wieder in verborgenen Ecken zu lauern und definitiv eine tiefere Bedeutung zu haben. Jedoch wirkt das Herrenhaus generell, in seinem verfallenen Zustand, nicht wie ein heimeliger Ort für schwangere Frauen. Dazu kommt noch das merkwürdige Verhalten der Hausmutter und ihres Mannes. Während Mr. Whitlock unter einer Geisteskrankheit zu leiden scheint, begegnet seine Frau, Mrs. Whitlock, den Mädchen gegenüber vollkommen widersprüchlich und ist in ihrem Verhalten nicht einzuschätzen. Nichts in dieser Geschichte suggeriert Sicherheit und das, obwohl sich die Mädchen in einem absolut schutzbedürftigen Zustand befinden. Aber nicht nur die gruseligen Momente sorgen für die düstere Atmosphäre. Zwischen vermeintlich übernatürlichen und unerklärlichen Vorgängen verbergen sich für den Leser auch emotional tiefgreifende Elemente und psychologisches Drama. Gleichzeitig findet man unerwarteterweise auch zarte Momente des Glücks: die Entstehung von Freundschaften und tiefen Verbindungen, blindes Vertrauen und das Auseinandersetzen mit der eigenen Situation. C.J. Cooke balanciert dabei gekonnt die Gefühlswelt der Schwangeren aus, wenn es um die jeweiligen Babys geht. Sie streift Gedanken von Verlust, Möglichkeit, Scham und Trauer. Dieses Buch ist so viel mehr, als eine spannende Geschichte und ich habe jede Seite geliebt. Außerdem ist sie auch inhaltlich absolut rund für mich. Gerade die Wendung, in der die Sprache auf Mabels Vergangenheit und Trauma fällt, hat ihren Charakter so abgeschlossen und rund gemacht. Es erklärte zwar nicht alles, aber zumindest ihre Empfindungen, die von Beginn an und dann immer wieder sporadisch eingebaut wurden. Dass wir keine Erklärung auf alles bekommen, hat mich keineswegs gestört. Das Ende ist emotional aber auch absolut stimmig und zufrieden stellend. Für mich hätte es keinen passenderen Ausgang geben können. Dieses Buch ist in meinen Augen einfach rund.

Bewertung:

„Der Geisterwald“ ist für mich vor allem eines: ein Jahreshighlight. Ich weiß nicht, warum meine Erwartungen an diese Geschichte durchschnittlich waren, aber ich wurde eines besseren belehrt. All die verschiedenen Elemente und Empfindungen, die die Autorin so gekonnt miteinander verwebt, sind auf den Punkt und bilden die Grundlage für eine Geschichte die sowohl spannend, als auch unterhaltsam und tiefgreifend ist. Besonders begeistert hat mich dabei die Wahl der Charaktere, denn gerade die schwangeren Mädchen, die Mütter, sind alle unglaublich facettenreich und stark dargestellt. Ich habe jede einzelne von ihnen geliebt. Die Idee von schottischer Legende, verwoben mit Gothic-Elementen und feministischen Momenten ist für mich definitiv aufgegangen.

Bewertung: 5 von 5.