C. J. Cooke: The Book of Witching

Gekennzeichnet als Rezensionsexemplar
Gekennzeichnet als kostenloses Belegexemplar

Über das Buch:

Inhalt:

1594 wird Alison Balfour auf den Orkney-Inseln der Hexerei beschuldigt. Sie soll lebendig verbrannt werden.
Mehr als 400 Jahre später sitzt Clem am Krankenbett ihrer Tochter Erin. Sie hat an einem Strand der Orkney-Inseln schwerste Verbrennungen erlitten. Neben ihr wurde die verkohlte Leiche ihres Freundes entdeckt, ihre beste Freundin ist verschwunden.
Als Erin aus dem Koma erwacht, erkennt sie ihre Mutter nicht und kann sich an nichts erinnern. Sie behauptet, ihr Name sei Nyx.
Fest entschlossen herauszufinden, was ihrer Tochter wirklich zugestoßen ist, reist Clem auf die schottischen Inseln. Bei ihren Erkundungen macht sie beunruhigende Entdeckungen: Was, wenn Erins Trauma auf einen uralten Fluch zurückzuführen ist? Und werden die Schatten der Vergangenheit weitere Opfer fordern?

Meine Meinung:

Nachdem „Der Geisterwald“ von C. J. Cooke für mich ein absolutes Jahreshighlight war, waren die Erwartungen an „The Book of Witching“ enorm hoch. Die Grundstimmung im Buch ist von Beginn an wesentlich moderner und weniger düster, zumindest innerhalb der einen von zwei Perspektiven. Denn auch in diesem Buch erfolgt die Erzählung der Geschichte mittels zweier weiblicher Stimmen. Einerseits durch Alison Balfour, eine einfache Frau und ehemalige Anhängerin der Triskele, die im Jahr 1594 auf den schottischen Orkney-Inseln mit ihrer Familie den politischen Schikanen des Earls zu trotzen versucht. Andererseits und viele Jahrhunderte später wird ein durch Schicksal verbundenes Ereignise durch Clem, der Mutter von Erin, erzählt. Insgesamt hat mir vorrangig in diesen Kapiteln die Spannung gefehlt. Das Ganze wirkt leider nicht so tragisch und mitreißend, wie ich es mir gewünscht hätte. Der Hintergrund dafür könnte einfach der fehlende Bezug zu Erin selbst sein. Diese ist nämlich die Leidtragende – obwohl wir lange Zeit nicht wissen, ob sie Täterin oder Opfer ist – hat jedoch bei mir aufgrund fehlender Tiefe eine gewisse Stellung der Gleichgültigkeit inne gehabt. Interessant fand ich, dass Erin selbst keine direkte Stimme bekommt. Obwohl sie die indirekte Protagonistin und das Subjekt der Haupthandlung ist, erfahren wir ihre Erlebnisse nur durch ihre Mutter Clem. Dadurch schlich sich bei mir in diesen Teilen des Buches eine gewisse Distanziertheit ein. Clem war nicht direkt an den Ereignissen beteiligt, kann weder Erins Schmerzen noch Gedanken angemessen und nachvollziehbar übermitteln, wodurch mir persönlich der beinahe vollständige Bezug zu Erin und ihrer Geschichte verloren ging. Komplett gegenteilig verhält es sich mit den Schilderungen von Alison. Ihre Geschichte ist an wahre Begebenheiten angelehnt und jede Seite aus ihrer Sicht war schmerzhaft. Ich habe zwar aufgrund des historischen Bezuges gewusst, worauf ihre Erlebnisse hinauslaufen, habe aber bis zur letzten Seite auf Gegenteiliges gehofft. Die ihr widerfahrene Ungerechtigkeit und die Dreistigkeit der Männer in hohen Positionen hat mir oft vor Wut den Hals zugeschnürt. Ihre Schilderungen und ihre Geschichte sind so detailliert, ergreifend und mitreißend geschrieben, wie ich es mir auf der anderen Seite, bei Erin, gewünscht hätte. Hier wird auch viel mehr inhaltliche Tiefe vermittelt und der Inhalt selbst erlebt eine Vielzahl an Ereignissen und Handlung. Vergleichsweise empfand ich Clems Perspektive oftmals sehr oberflächlich und handlungstechnisch stagnierend. Generell haben mir inhaltlich manchmal gewissen Verknüpfungen gefehlt. In meinen Augen waren manche Momente seitens der Autorin nicht zu Ende gedacht. Gerade im Bezug auf das Buch, Namensgeber für das Werk das wir lesen dürfen, fehlten mir hier und da Details, die das Ganze abgerundet hätten.

Bewertung:

Mein ganzes Herz gehört in diesem Buch wirklich Alison und ihrem Mann William. Denn auch deren Geschichte, Umgang miteinander und Beziehung zueinander ist nahbar, voller emotionaler Intelligenz und fesselnd umgesetzt. Die beiden sind für mich Träger der Geschichte. Ich habe während des Lesens Wut, Trauer und Fassungslosigkeit gefühlt, aber es gab auch zarte Momente von Hoffnung und Liebe – leider wirklich nur innerhalb Alisons Perspektive. Das Thema Hexen ist eines, das mich jederzeit abholt, einfach weil es uneingeschränkte Ungerechtigkeit und unfaire Machtverteilung innerhalb der Geschlechter demonstriert – und weil es eine Zeit gab, in der das keine Fiktion war. Das Buch war unterhaltsam und ging mir auch nah, allerdings empfand ich es nicht so gut wie „Der Geisterwald“, aufgrund von Erins Geschichte, beziehungsweise Clems Perspektive.

Schreibstil: 5/5
Geschichte: 3,5/5
Charaktere: 3,5/5
Spannung/Atmosphäre: 3,5/5
Überraschungen/Wendungen: 3/5

Gesamtbewertung: 3,7/5

Bewertung: 4 von 5.