Caroline Wahl: 22 Bahnen

Über das Buch:



Inhalt:

Hochsommer in einer farblosen Kleinstadt: Neben Mathestudium und Nebenjob an der Supermarktkasse ist das allabendliche Schwimmen im Freibad einer der wenigen Lichtblicke für Tilda. Hier kann sie mal kurz abschalten von ihrem Alltag, in dem sie sich um ihre kleine Schwester Ida und ihre alkoholkranke Mutter kümmern muss. Von einem freien und unbeschwerten Leben erlaubt sie sich nicht zu träumen. Dann taucht Viktor auf, und plötzlich gerät alles aus dem Takt.

Meine Meinung:

Oft empfohlen und hochgelobt kam auch ich irgendwann nicht mehr an diesem Buch vorbei. Die Erwartungen waren enorm hoch, da ich bis dato kein schlechtes Wort über diese Geschichte gehört hatte. Und es stimmt: inhaltlich ist diese Geschichte ein Juwel. Man verfolgt als Leser kein bestimmtes Ziel oder muss an irgendeinem Punkt ankommen. Vielmehr zeichnet dieses Buch eine Abfolge von Tagen aus einem Leben, das eben so auch nebenan stattfinden könnte. Die Geschichte von Tilda ist heruntergebrochen auf Alltägliches, auf Banales und doch so Tiefgreifendes. Man begleitet sie tagein, tagaus in einem Alltag, der nahbarer nicht sein könnte. Dabei platziert Caroline Wahl nah beieinander tragische, nachdenklich stimmende, aber auch schöne Augenblicke, die dieses Leben als Leben kennzeichnen. Hinter verschlossener Tür erleben wir als Leser intime Familienmomente, Probleme und Sorgen. In den Momenten des Lesens werden wir zu Tilda, gehen ein paar Seiten lang in ihrer Haut, erleben ihren Alltag, fühlen ihren Schmerz. Und in manchen Momente ertappt man sich dabei, wie man nicht mehr nur Tildas Haut trägt, sondern zu Tilda wird. Eigene Emotionen gleichsetzt, selbst gemachte Erfahren und eigens erlebte Momente wiederfindet. Und gerade weil diese Geschichte so schnörkellos, so nackt und bodenständig erzählt wird, wirkt sie umso stärker nach. Das einzige, womit ich mich bis zur letzten Seite nicht anfreunden konnte – obwohl auch dieses Element ein künstlerisch an den Inhalt angepasstes ist – war der Schreibstil. Ich weiß, dass er in der Gesamtheit des Werkes so zu sein hat, andernfalls würde das Konzept dieser Geschichte nicht aufgehen. Allerdings empfand ich ihn dennoch oftmals als anstrengend und ausbremsend. Dieser Kritikpunkt ist jedoch eine persönliche Präferenz, da dieser kurze Einblick in den ausgewählten Lebensabschnitt Tildas vom gewählten Schreibstil lebt, nur mit einer ebenso rohen sprachlichen Darstellung funktioniert.

Bewertung:

Ob die Fortsetzung bei mir einziehen wird, weiß ich noch nicht. Obwohl mir das Buch ein paar schöne, kurzweilige Lesestunden gebracht hat, wiegt der Gesichtspunkt des Schreibstils für mich schwer. Ich empfand ihn oftmals als wirklich anstrengend und kann mich wahrscheinlich nur bedingt noch einmal dazu hinreißen lassen. Allerdings entgeht mir damit wohl auch eine wirklich wertvolle Geschichte. Denn genau das ist „22 Bahnen“, roh und nah, ohne Schnickschnack, ohne Schnörkel. Einfach eine Geschichte, über ein Leben.

Schreibstil: 2/5
Charaktere: 4/5
Geschichte: 5/5
Spannung/Atmosphäre: 5/5
Überraschungen/Wendungen: –

Bewertung: 4 von 5.