Christopher Golden: The Ocean Dark

Über das Buch:

Inhalt:

Fernab üblicher Schifffahrtsrouten in den unerforschten Gewässern der Karibik liegt eine geheimnisvolle Insel, umgeben von einem Friedhof gesunkener Schiffe. Die Insel ist so abgelegen, dass sie zum perfekten Treffpunkt für eine Handvoll mittelamerikanischer Schmuggler wird, darunter die Antoinette, ein mit Waffen beladener Frachter aus Miami. Zwischen den unzähligen Wracks betritt die Besatzung der Antoinette – und der verdeckt ermittelnde FBI-Agent an Bord – das vermeintliche Refugium moderner Piraten, nur um festzustellen, dass sich dort etwas viel Schrecklicheres verbirgt.
In Washington könnten zwei Wissenschaftler Licht ins Dunkel der Ereignisse bringen. Und an Bord eines FBI-Schiffes, das die Antoinette überwacht, könnte eine bewaffnete Spezialeinheit eingreifen. Aber das setzt voraus, dass die Besatzung der Antoinette ihre erste Begegnung mit Kreaturen überlebt, die den Menschen so gut wie unbekannt sind, deren unheimlicher Gesang jedoch durch die Korridore der dunkelsten Legenden der Menschheit hallt.

Meine Meinung:

Dieses Buch ist sein Geld definitiv wert. Sowohl in der Aufmachung (wobei man das vom Buchheim Verlag nicht anders gewohnt ist) als auch vom Inhalt her konnte dieses Werk bei mir absolut punkten. Die Atmosphäre ist von Anfang an mystisch und düster. Das Setting ist außergewöhnlich: ein Frachter mit Schmuggelware auf einer abgelegenen Route mitten in der Karibik. Dazu platziert der Autor einen geheimnisvollen Schiffsfriedhof und deutet dadurch bereits den potentiellen Schrecken an. Wenn man unter Thalassophobie leidet, entfaltet diese Geschichte seinen wahren Horror beinahe unmittelbar. Für mich ebenfalls außergewöhnlich für ein solches Horror-Werk war die Gestaltung der Charaktere. Der Autor hat sich wirklich Zeit und Platz genommen, um jedem der Hauptcharaktere eine Geschichte zu verpassen. Auch die Beziehungen untereinander bekommen Raum, um sich in genau richtigen Maß zu entfalten und zu wachsen. Dadurch entstehen beinahe allen Figuren gegenüber Sympathien – egal auf welcher Seite des Gesetzes jemand steht. Es wird wirklich deutlich, dass nicht immer alles schwarz oder weiß ist. Als eine Person, die mit dem Grundaufbau eines Schiffes keinerlei Erfahrung hat, fehlte mir an der ein oder anderen Stelle die Vorstellungskraft, um den Schilderungen zu folgen. Dennoch fesselt diese Geschichte mit seiner beklemmenden Atmosphäre. Man erhöht das Lesetempo automatisch, da man, sobald es inhaltlich spannend wird, mitfiebert und der Situation gedanklich gleichermaßen zu entkommen versucht. Die Wesen des Grauens bekommen eine grandiose Hauptrolle und werden in ihrem Verhalten und ihrer Gestaltung zu grauenhaften Widersachern. Und obwohl sie an passenden Stellen platziert und gut dosiert zum Einsatz gebracht werden, hätte ich mir gerade zum Ende ein Quäntchen mehr Hintergrundinformationen gewünscht. Zumal die Gegebenheiten dafür vorhanden waren und an mancher Stelle Andeutungen für eine tiefere geschichtliche Bedeutung gemacht wurden. Dennoch kann ich sagen, dass die Gesamtheit des Buches absolut zu empfehlen ist. Obwohl viel Tiefe geboten wird, wirkte nichts davon überflüssig oder langatmig auf mich. Ich für meinen Teil habe mit den Charakteren mitgefiebert und bis zum Schluss teilweise vor Spannung den Atem angehalten.

Bewertung:

Trotz seines stolzen Preises hat dieses Buch für mich Highlight-Charakter. Das Meer mit seinen unfassbaren Weiten und dunklen, unerforschte Tiefen wirkt ohnehin bedrohlich und einschüchternd. Gepaart mit einer solchen Geschichte bekommt man den perfekten Horror-Moment kreiert. Besonders gefallen hat mir der Aspekt, dass Brutalität und Gemetzel nicht im Vordergrund stehen., jedoch genügend vorhanden sind. Vielmehr wird mit den Charakteren auf einer psychologischen Ebene gespielt, ihre Angst und das unberechenbare Unbekannte bilden den perfekten Nährboden für feinsten Psychoterror.

Schreibstil: 5/5
Charaktere: 5/5
Geschichte: 4,5/5
Spannung/Atmosphäre: 5/5
Überraschungen/Wendungen: 3,5/5

Bewertung: 5 von 5.