
Über das Buch:
Autorin: Clarissa Kühnberger
Titel: The Witch´s Debt
Herausgeber: Blutmond Verlag
Genre: Mystery-Horror
ISBN: 978-3982693958
Preis: 18,00 €

Inhalt:
Ethina lebt mit der quälenden Frage, ob sie den Unfall hätte verhindern können, der ihre Schwester ins Koma versetzt hat. Ihre Mutter Evangeline, die von alten Ritualen, Tarotkarten und düsteren Ahnungen besessen ist, flüchtet sich immer tiefer in okkulte Praktiken. Ethina hingegen versucht, zwischen Schuld, Ausgrenzung und dem Collegealltag zu bestehen.
Erst als die lebensfrohe April in ihr Leben tritt, scheint Ethina zum ersten Mal wieder so etwas wie Normalität zu verspüren. Doch schon bald mehren sich beunruhigende Vorzeichen: düstere Visionen, wahr gewordene Albträume und eine unheimliche Verbindung zwischen April und dem Erbe ihrer Familie.
Während Ethina beginnt, an ihrem Verstand zu zweifeln und alles infrage zu stellen, was sie zu glauben scheint, drängt ihre Mutter Evangeline sie und April zu einer Entscheidung, die ihnen alles abverlangen könnte.
Meine Meinung:
Direkt zu Beginn hat die Stimmung im Buch einfach gepasst. Ethina und ihrer Mutter, Evangeline, wird im Wohnort nachgesagt, dass sie Hexen seien. Evangeline Sinclair agiert und verhält sich genau so, dass diese Gerüchte regelmäßig befeuert werden. Mit Kapitelzierden – in Form von Tarotkarten – versehene Seiten bestärken diese okkulte Atmosphäre ebenso, wie die genaue Beschreibung des kleinen Ladens von Evangeline, ihrer Kleidung und der Dekoration ihres Hauses. Alles wirkt mystisch und verstärkt den Eindruck von verborgener Magie. Ethina hasst die Gerüchte um ihre Familie, denn sie haben in ihrem Umfeld soziale Ausgrenzung zur Folge. Als sie sich mit April anfreundet, die auf den ersten Blick gegensätzlicher nicht sein könnte, scheint endlich eine Änderung in ihrem Sozialleben einzutreten. Doch zunehmend hat Ethina mit unerklärlichen Phänomenen in ihrem Umfeld zu tun. Ich mochte diese unterschwellige, subtile Finsternis, die sich inhaltlich durch die Seiten zog. Als Leser spürt man, das etwas merkwürdig ist, kann jedoch nicht den Finger drauflegen. Geschehen die Abweichungen in Ethinas Alltag tatsächlich, oder findet der Spuk bloß in ihrem Kopf statt, ausgelöst durch die gelebte Aura ihrer Mutter? Die Umsetzung dieser zweifelhaften Ereignisse sind wirklich gelungen, sodass man sich als Außenstehender nicht unbedingt positionieren kann. Ein weiterer undurchsichtiger Aspekt ist der Unfall von Ethinas Schwester Ellora. Man tappt zum Hergang ebenso im Dunkeln, wie die Protagonistin selbst. Alles wirkt insgesamt sehr geheimnisvoll und Ethina vermutet vor allem ihre Mutter hinter den unausgesprochenen Mysterien und unentspannten Schwingungen. Die ersten zwei Drittel des Buches sind einheitlich und waren dementsprechend sehr angenehm und packend zu lesen. Danach ändert sich die inhaltliche Richtung ein wenig und hat mich dabei unterwegs verloren. Die Spannung, die über mehr als die Hälfte des Buches aufgebaut und auch aufrecht erhalten wurde, konnte leider nicht bis zum Schluss bestehen. Gewisse Handlungsstränge hätte ich mir detaillierter gewünscht – beispielsweise die Recherche und Aufdeckung von Mabel. Hier hätte eine Charakterentwicklung in die bereits angedeutete Richtung auch gut gepasst und in meinen Augen die Verwirrung des Lesers bestärken können. Mit solchen Momenten wurde leider gegen Ende immer weniger gespielt, was ich persönlich vermisst habe. Die Charaktergestaltung hat mir recht gut gefallen, wobei Evangeline mir bis zum Schluss zu schwankend vorkam. Manche Handlungen und Reaktionen ihrerseits haben für mich – auch nach der Auflösung – keinen großen Sinn ergeben und sie als Charakter unrund erscheinen lassen. Das Ende hat mir insgesamt nicht so zugesagt, wobei die Geschichte natürlich noch nicht abgeschlossen ist. Ich hoffe, dass eine Fortsetzung noch ein bisschen mehr Klarheit und Einheitlichkeit in die Ereignisse bringt.
Bewertung:
Von Anfang bis zur Mitte mochte ich die Geschichte unheimlich gerne. Die Charaktere haben eine interessante Interaktionsart, wachsen miteinander und entwickeln sich in einem angenehmen Tempo. Auch die Atmosphäre hätte passender nicht sein können. Sie bildet eine Einheit mit Cover, Gestaltung, Titel und Inhalt. Das Thema Hexen (oder vermeintliche Hexen) ist eines, das wirklich sehr vielseitig und kreativ umgesetzt werden kann – das hat Clarisse Kühnberger definitiv gut genutzt. Einzig das Ende war leider nicht nach meinem Geschmack, da mir viele Faktoren dahingehend nicht gefallen haben. Einerseits wirkten manche Stellen gehetzt, hier hätten ein paar Ausschweifungen nicht geschadet, andererseits ist auch viel von der Atmosphäre verloren gegangen. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung, denn die Geschichte bietet Potential und hat in meinen Augen noch Platz nach oben. Da hier keine brutalen Schilderungen oder großartige Horror-Momente im Spiel sind, eignet sich das Buch auch für Fans von seichter Gruselliteratur und Einsteiger ins Genre.
Schreibstil: 5/5
Charaktere: 3/5
Geschichte: 3,5/5
Spannung/Atmosphäre: 3,5/5
Überraschungen/Wendungen: 2,5/5
Gesamtbewertung: 3,5/5