Daniel Leitner: Und mit mir die Dunkelheit – Velvet-Cove-Reihe Band 1

Über das Buch:

Autor: Daniel Leitner
Titel: Und mit mir die Dunkelheit (Velvet Cove 1)
Verlag: Inedpendently published (21. Oktober 2020)
Genre: Thriller/Suspense
ISBN: 979-8698000815
Preis: 9,99€

Inhalt:

Sie wollen den Menschen die Heuchelei austreiben. Ihr Auftraggeber: der Teufel selbst.

Die sechzehnjährige Winter wird von zwei Maskierten aus dem Schlaf gerissen und gewaltsam ins Wohnzimmer gezerrt. Dort muss sie feststellen, dass ihre Familie Opfer einer teuflischen Sekte wurde. Gefesselt und umringt von weiteren schwarzen Gestalten wird Winter klar, dass hinter diesem Überfall ein mörderischer Plan steckt.

Ein blutroter Albtraum aus Lügen, dunklen Geheimnissen und einem gefährlichen Fehler, der allen Anwesenden den Tod bringen könnte. Wer überlebt diese Teufelsnacht?

„Wir werden nicht länger zusehen und hoffen, dass sich die Welt verändert. Heute Nacht werden wir die Veränderung selbst herbeiführen.“

Meine Meinung:

So rasant, wie der Klappentext den Einstieg in die Geschichte vermuten lässt, war er letztlich nicht. Zunächst einmal lernen wir Winter mitsamt Familie auf einigen Seiten kennen. Sie ist ein völlig normaler Teenager, mit einer besten Freundin, Hobbys, einem festen Freund und einer sie liebenden Familie. Ein bisschen gewöhnungsbedürftig war für mich der starke Glaube an Gott, der in dieser Familie fest verankert scheint. Gewöhnungsbedürftig deshalb, weil ich mich damit nicht identifizieren kann und diese Denkweisen und Lebenseinstellung, die dieser Glaube mit sich bringt, auf mich völlig veraltet wirken. In der Geschichte wirkte dieser Aspekt aber sehr passend, da man die direkte Gegenüberstellung von Gott und Satan innerhalb zweier Gruppen erleben darf, die dann eben auch die nachfolgenden Handlungen auslösen und voranbringen. Die Kapitel, deren Längen ich wirklich angenehm fand, nehmen uns in verschiedene Perspektiven agierender Figuren mit. Einerseits erfahren wir so nähere Informationen über Winter und ihr Leben aus erster Hand, andererseits dürfen wir aber auch in den Kopf des Propheten, dem Anführer der satanischen Sekte, blicken. Durch ihn werden wir in den Kreis der teuflischen 6 eingeführt. Wir erfahren wer der Gruppe anhängt und wie sie in diesen Kreis gelangt sind, welche dunklen Pfade im Leben sie in diese Hölle gebracht haben. Die Namensgebung hat mir hier äußerst gut gefallen, denn anstatt richtiger Namen, benennt der Prophet sie nach Eigenschaften, die ihre Person ausmachen. Und so setzt sich die Sekte aus dem Propheten, dem Soziopaten, der Irren, der Jüngsten, dem Seltsamen und dem Freak zusammen. Was mir besonders gefallen hat – und auch recht schnell klar wurde – dass Satan vom Propheten nicht wirklich gehuldigt wird, sondern nur Mittel zum Zweck ist, um die Sektenmitglieder beisammen zu halten. Dadurch ist hier die nötige Realistik gegeben, die es für mich bei dieser Thematik auch gebraucht hat. Besonders positiv hervorzuheben, ist die Gewaltbereitschaft der Mitglieder und auch die des Autors. Er wagt sich thematisch in verpönte Gefilde und schildert sehr bildhaft Geschehnisse, die gesellschaftlich eher ungern gesehen werden. Dabei setzt er seine Sprachgewalt stark ein und bringt seine Gedanken punktgenau zum Ausdruck. Die Folge daraus ist eine gute Mischung aus roher, physischer Gewalt, so wie ein tiefer Blick in die Abgründe der menschlichen Psyche. Dabei wird vor nichts Halt gemacht und sämtliche denkbare Themen werden verwendet, um die Brutalität und das Grauen dieser Geschichte aufzuzeigen. Mein Kritikpunkt ist die Nachvollziehbarkeit der Handlungen einer bestimmten Person. Da ich nicht spoilern möchte, bleiben Name und Identität an dieser Stelle unbenannt. Dennoch kann ich sagen, dass mich die Frage nach dem „Warum?“ stark beschäftigt hat. Hier konnte ich mich als Leserin nur schlecht in die Gedankengänge besagter Figur hineinversetzen und diese beinahe kaum nachvollziehen. Mir hat es ein wenig an Verständnis gemangelt. Obwohl die Gedanken und Absichten klar differenziert beschrieben und benannt wurden, hat mir ein wenig der emotionale Aspekt gefehlt. Natürlich könnte man sämtliche Aktionen, die ich nicht nachempfinden konnte, auf die gebrochene Psyche der Figur schieben, jedoch war mir der, als „Auslöser“ der psychischen Probleme, angegebene Grund auch nicht ausreichend klar definiert. Ich empfand an dieser Stelle die nachfolgenden Handlungen als sehr kopflos und unsinnig. Dieses Empfinden konnte mir jedoch am Ende des Buches genommen werden, als ein von vornherein stark durchdachter Plan, der von mir geäußerten Kritik ein bisschen den Wind aus den Segeln nehmen konnte. Insgesamt konnte dieses Buch bei mir durch viele überraschende Wendungen und eine solide Grundspannung, die mal mehr und mal weniger stark auftrat, punkten. Der erste Teil der Reihe ist erzählt und nach dem gelungenen offenen Ende bin ich gespannt, was die Fortsetzung mit sich bringt.

Bewertung:

Für mich ist dieses Buch ein solider Auftakt der Velvet-Cove-Reihe. Trotz einiger Kritikpunkte konnte es mich gut unterhalten. Da das Ende nur einen minimalen Ausblick auf die Fortsetzung gibt, möchte man hier natürlich dringend erfahren, wie es weitergeht. Da sich die Anzahl der agierenden Personen zum Ende hin stark ändert, bin ich gespannt, in welchem Rahmen sich Band 2 bewegen wird. Grundsätzlich ist meine Kritik sehr subjektiv und damit allein meine Meinung. Alle anderen Aspekte fand ich rundum gelungen und für einen Thriller dieser Art sowohl spannend, als auch erfrischend. Die Idee hinter der Geschichte gefiel mir grundsätzlich recht gut, zumal es im Verlauf ständig Wendungen gab, die den Handlungssträngen jedes Mal eine neue Richtung verliehen haben. Mit der Leseempfehlung möchte ich gleichzeitig eine Trigger-Warnung aussprechen, da Gewalt, sexuelle Handlungen und psychische Folter eine tragende Rolle in diesem Buch spielen.

Schreibstil: 5/5
Geschichte: 3,5/5
Charaktere: 3,5/5
Spannung: 5/5
Überraschungen/Wendungen: 5/5

Gesamtbewertung: 4,4/5


• Die Coverrechte obliegen ausschließlich dem Autor Daniel Leitner. •

[Gekennzeichnet als Rezensionsexemplar]