
Über das Buch:
Autorin: Darcy Coates
Titel: Dead of Winter
Originaltitel: Dead of Winter
Herausgeber: Festa Verlag
ISBN: 978-3-98676-281-0
Preis: 16,99 €

Inhalt:
14 Tage Luxusurlaub in den verschneiten Bergen der Rocky Mountains. Abgeschieden. Exklusiv.
Für Christa die Chance, sich von einem Trauma zu erholen, das ihr Leben in Stücke gerissen hat.
Doch bereits die Fahrt dorthin wird zur Katastrophe, als ein Schneesturm die Reisegruppe zwingt, in einer verlassenen Jagdhütte Schutz zu suchen.
Christa ist eingeschlossen. Mit acht Fremden.
In der Nacht verschwindet ihr Tourguide spurlos. Am nächsten Morgen finden sie seinen abgetrennten Kopf – aufgespießt auf einem Ast.
Isoliert von der Außenwelt beginnt ein Kampf ums Überleben. Denn das tödliche Spiel hat gerade erst begonnen …
Meine Meinung:
Darcy Coates ist schriftstellerisch für mich die Queen der Geistergeschichten und des Übernatürlichen. Ihre Bücher sind spannend, packend, aber nie allzu realistisch. Bis zu „Dead of Winter“. Diese Geschichte birgt einen klassischen Thriller, mit einer Ausgangssituation, die erstmal nichts Neues ist: Eine Reisegruppe möchte eine entspannte Auszeit in einem romantisch verschneiten Chalet verbringen. Alles kommt anders, die Gruppe wird aufgrund der Wetterbedingungen von der Außenwelt abgeschnitten und ein unbekannter Mörder treibt mit den Figuren sein Unwesen. So weit, so bekannt. Auch Darcy Coates nutzt bereits bekannte Elemente, um ihre Geschichte in diese Richtung voranzutreiben. Es wird sehr schnell sehr brutal, sehr beklemmend und düster. Die Autorin steigt nicht zimperlich in die Schilderungen der Morde ein. Charaktere sind es schon mehr, deren Namen und Hintergrundgeschichte man im Kopf behalten muss, allerdings war das aufgrund der Reduziertheit des Settings nach einigen Seiten gut machbar, außerdem werden es sehr schnell weniger. Dennoch hatte ich oftmals das Gefühl einer gewissen Oberflächlichkeit. Eine richtig tiefe Sympathie zu einer Figur kam bei mir leider nicht zustande. Diese Möglichkeit wird durch das rasante Erzähltempo, das wechselnde Misstrauen und immer neuen Verdächtigungen recht gedämpft – bei mir zumindest. Die Figuren sind sehr vielseitig und eigentlich auch gut ausgearbeitet, trotzdem habe ich die Ereignisse leider bis zum Schluss eher wie eine Außenstehende betrachtet. Mir hat das Gefühl der Nahbarkeit und Zugehörigkeit gegenüber der Situation gefehlt. Außerdem wirkt der Fokus sehr konzentriert auf den Morden. Die Autorin hätte wunderbar Gelegenheit gehabt, die von ihr verursachten Umstände spannungstechnisch auch noch anderweitig zu nutzen: Alle Personen sind von Beginn an erst mal fremd, die Ressourcen sind knapp, der Platz begrenzt und die Hilflosigkeit ausweglos und allumfassend. Hier hätte man noch viel intensiver mit der Psyche spielen können. Inhaltlich hat mich diese Geschichte trotz meiner Kritikpunkte gepackt und nicht mehr losgelassen. Das Beiseite-Legen des Buches war fast nicht möglich, es war, als wäre es mir an den Händen festgefroren. Darcy Coates legt falsche Fährten, als hinge ihr eigenes Leben davon ab. Bei ihr ist jedoch die hohe Kunst, dass man es als Lesender nicht merkt. Man merkt die Irreführungen nicht, weil sie so nebensächlich passieren, dass sie sich nahtlos in die Geschichte einfügen – und das liebe ich bei einem richtig guten Thriller: ständig wechselnde Ausgangssituationen, gut platzierte Wendungen an jeder Ecke und am Schluss eine Auflösung, die nicht nur logisch sondern auch wirklich eine Überraschung ist. Ich war tatsächlich ein paar mal auf der richtigen Spur, habe mich jedoch so überzeugend von einer anderen Wahrheit überreden lassen, dass das Ende mich dennoch überraschen konnte – obwohl ich es bereits zwei Mal in meinem Kopf vermutend vorausgesagt hatte.
Bewertung:
Dieses Buch ist beinahe perfekt. Ich habe das Setting geliebt, obwohl es wahrscheinlich zum 1×1 eines Survival-Thrillers gehört. Lebensbedrohende Umstände sowohl im Inneren einer winzigen Hütte, als auch außerhalb davon. Fremde, die sich freiwillig niemals gemeinsam auf so engem Raum einquartiert hätten. Abgeschnittenheit von der Zivilisation und eine Chance auf Rettung, die gegen Null geht. Darcy Coates hat mit diesem Buch sehr viele gute Entscheidungen getroffen, ein paar Momente haben mir nicht so gut gepasst, allerdings war die Geschichte insgesamt durchweg spannend, lesenswert und hat viel Spaß gemacht. Noch dazu hat uns die Autorin die Vorhersehbarkeit durch ständig wechselnde Verdächtigung und gut begründete Theorien erfolgreich entzogen und das ist für mich bei einem Thriller einer der wichtigsten Aspekte, abgesehen von düsterer, bedrohlicher Spannung, aber auch hinter diesem Punkt kann man bei „Dead of Winter“ definitiv einen Haken setzen.
Schreibstil: 4,5/5
Charaktere: 3/5
Geschichte: 4/5
Spannung/Atmosphäre: 5/5
Überraschungen/Wendungen: 5/5
Gesamtbewertung: 4,3/5