Delilah S. Dawson: Bloom

Über das Buch:

Inhalt:

Auf einem Bauernmarkt verliebt sich Rosemary Hals über Kopf in die umwerfend schöne Ash. An ihrem Stand verkauft sie duftende Seifen und Kerzen, die sie alle aus natürlichen Zutaten herstellt. Und obwohl Rosemary sich bisher nie zu Frauen hingezogen fühlte, weckt Ash eine Neugier in ihr, die sich schnell zu einer Obsession entwickelt.
Woche um Woche kommen die beiden sich näher – bis eine Tür aufgestoßen wird, die besser verschlossen geblieben wäre.

Meine Meinung:

Zunächst einmal lässt sich diese Geschichte wunderbar aufgrund ihrer Länge und des Schreibstils an einem gemütlich-verregneten Wochenende weglesen. Die Atmosphäre lädt direkt zu Beginn an dazu ein, sich in eine neuartige Welt zu begeben. Rosemary – kurz Ro – lernt auf einem Bauernmarkt die ätherisch aussehende, auftretende Ash kennen und ist ihr beinahe sofort verfallen. Doch nicht nur optisch hat Ash Ro verzaubert, auch ihre Fertigkeiten scheinen für Ro aus einer anderen Welt zu kommen. Die beiden lernen sich sehr zaghaft und beinahe schüchtern kennen. Hierbei musste ich mehr als einmal die Augen über Ros Gedanken und Verhalten verdrehen. Sie wirkt oftmals höchst naiv, aufdringlich, teilweise sogar übergriffig und verzweifelt. In meinen Augen kein weiblicher Charakter, den ich ein weiteres Mal in einer Geschichte begleiten würde. Dem gegenüber ist Ash jedoch komplett gegenteilig. Sie ist selbstbewusst, kennt ihren Platz in der Welt und weiß genau, was sie will und von einer zwischenmenschlichen Beziehung erwarten kann. Trotz der großen Unterschiedlichkeit, mochte ich die Dynamik der beiden Frauen miteinander sehr gerne. Vor allem vor dem atmosphärischen Cottage-Core-Charakter der Geschichte. Alles wirkt so surreal, beinahe wie verzaubert und zu schön um wahr zu sein. Auftauchende Red Flags – und davon gibt es eigentlich von Beginn an wahrlich genug – werden von den beiden Protagonistinnen ignoriert. Für mich als Lesende war hingegen recht schnell klar, in welche Richtung der hier angepriesene Horror abdriften wird. Und genau das hat für mich die Sogwirkung der Geschichte ausgemacht. Ich konnte mir in etwa vorstellen, was sich hinter den vielen subtilen Anspielungen und Warnungen verbirgt, aber einen Ausgang dazu konnte ich mir nicht so recht ausmalen. Und dann kommen wir, nach vielen unschuldigen, aber trotzdem unterschwellig beklemmend wirkenden Seiten, zum Ende. Und meine Herren – damit hätte ich niemals gerechnet. Das Ende kommt genauso gefährlich zärtlich daher, wie die Geschichte bis dato insgesamt. Nichtsahnend beginnt man das letzte Kapitel zu lesen und mit jedem Satz wird einem mehr und mehr übel, bis sich das ganze Ausmaß der endgültigen Situation zwischen Ash und Ro entpuppt. Für mich war dieser Ausgang phänomenal, weil er mich eiskalt erwischt und gleichzeitig eine tiefe Trauer in mir ausgelöst hat.

Bewertung:

Dieses Buch mag auf den ersten Seiten keinen erkennbaren Horror präsentieren. Und das wird auch überwiegend so bleiben. Dennoch spielt die Autorin auf subtile Weise mit Andeutungen und schwammigen Hinweisen. Am Ende bildet sich ein unheimliches Gesamtkonstrukt heraus, dass die atmosphärische Schönheit des Cottage Core auf beklemmende Weise ergänzt und komplettiert. Denn das muss ich wirklich noch einmal gesondert hervorheben: Die durchgängig ätherische, beinahe unwirkliche Atmosphäre, die so zart und detailliert auf jeder Seite zu finden ist. Die vielen Ideen für Cupcakes, Seifen, Handtücher, Brot – man hat beinahe Düfte riechen, Geschmäcker wahrnehmen und Texturen fühlen können, so genial beschreibt die Autorin diese kleine Welt. Und diese enormen Sinneseindrücke, gepaart mit den vielen toxischen Mikromomenten, sowie der unheimlichen Vorahnung, macht diese Geschichte zu einem wirklich besonderen Horror-Leseerlebnis.

Bewertung: 4.5 von 5.