Anne Schröer: Der letzte Kreis – Erwachen

Gekennzeichnet als Rezensionsexemplar

Über das Buch:

Autorin: Anne Schröer
Titel: Der letzte Kreis – Erwachen
Herausgeber: Edition Roter Drache
Genre: Dystopie-Fiktion
ISBN: 978-3968150963
Preis: 18,50 €

Inhalt:

Die Freude über die Ankunft beim Letzten Kreis währt kurz: In dessen Feste läuft nichts wie erhofft. Adis Bitte um Unterstützung wird abgeschmettert, und auch Thjemas muss erkennen, dass er hier nicht bekommen wird, was er gesucht hat. In Dunis reißt ein unverhofftes Wiedersehen alte Wunden auf. Gleichzeitig schwindet die Hoffnung, seine Schwester retten zu können, denn die Lage in der Versunkenen Stadt ist kritisch. Das Programm und seine Maschinisten befinden sich kurz vor einem Durchbruch. Sollte die Technik sich wieder erheben, steht nicht weniger auf dem Spiel als das Überleben der Menschheit. Ein Bündnis mit dem Kreis scheint alternativlos – so hoch der Preis dafür auch sein mag …

Meine Meinung:

Für mich hatte Anne Schröer mit dem Auftakt ihrer dystopischen Trilogie schon alles richtig gemacht, um Leser an die Geschichte zu fesseln. Die ständig wechselnden Perspektiven der drei Protagonisten führten durch Band 1, wobei der gewichtige Fokus auf Adi lag. Strukturell hat die Autorin diese Darstellung in Band 2 beibehalten, jedoch den Augenmerk für den intensiveren Figurenausbau auf Dunis gelegt. Das war anfangs für mich ein klitzekleiner Dämpfer, weil Adi und Thjemas in meinen Augen die weitaus interessanteren Charaktere sind. Nach Rücksprache mit der Autorin erfuhr ich, dass ursprünglich keine Teilung der Geschichte vorgesehen war, und das merkt man. Die Fortsetzung grenzt nahtlos an den Vorgänger. Hierbei erfährt man zunächst viele Hintergründe, Informationen und Geheimnisse. Ich muss zugeben, dass mir große Passagen in diesem Buch zu theoretisch vorkamen. Obgleich das essentiell für die Geschichte und den weiteren Verlauf der Handlung ist, fehlte mir in dieser Fortsetzung die erfrischende Dynamik aus Band 1 an einigen Stellen. Was jedoch nicht fehlte war die bereits gewohnte Leichtigkeit, der man dieser Geschichte folgen kann. Anne Schröer hat trotz erneuter 500+ Seiten ein absolutes Händchen für authentische Charakterentwicklung. Auch in diesem Werk bleibe ich bei meiner Meinung: Thjemas ist der wohl mit Abstand komplexeste, interessanteste und spannendste Charakter für mich. Er alleine könnte die komplette Handlung mit seinen Gedanken, Handlungen und mittlerweile auch greifbaren Emotionen am Laufen halten. Gemeinsam mit Adi. Natürliche Feinde in einer dystopischen Welt, die unterschiedliche Ziele verfolgen und doch gezwungen sind, gemeinsame Sache zu machen. Die Autorin hat es auch mit diesem Buch ein zweites Mal geschafft, eine so hohe Seitenzahl beim Lesen wie einen Wimpernschlag wirken zu lassen. Tatsächlich durfte ich mich über die vermisste Dynamik auch im letzten Drittel wieder vermehrt freuen. Außerdem bekommt die Geschichte einige Nebencharaktere, die sich perfekt in die Gruppe fügen und die angenehme Mischung aus Spannung, Humor, Weltuntergangsstimmung, Beklemmung, Freundschaft, Feindschaft und Zusammenhalt unterstützen. Denn mit genau diesen Substantiven lässt sie die Trilogie von Anne Schröer bisher perfekt zusammenfassen. Man taucht mit diesem Buch in eine Welt ein, die fremd und bekannt zugleich ist. Dabei begleitet man Figuren, denen man eigentlich lieber nicht begegnen würde, aber irgendwie auch schon. Man befindet sich in einem Zeitalter, das unendlich weit entfernt scheint, trotzdem aber morgen da sein könnte. Die Autorin spielt mit so nachvollziehbaren Elementen, kreiert dabei Figuren mit denen man eigentlich – trotz ihrer Fehler – nur sympathisieren kann und das alles auf einem Balanceakt zwischen Ernsthaftigkeit und vertrauter Leichtigkeit, dass diese Bücher einfach nur Spaß machen.

Bewertung:

Verglichen mit Band 1 gab es einige Längen, die mich nicht zu 100% zufrieden gestellt haben. Es wirkte – vor allem mit Mittelteil – gehäuft theoretisch und nicht so dynamisch. Dafür gab es auf der anderen Seite aber auch Entwicklungen, die mich mehr überrascht und unterhalten haben und Szenen, die atmosphärischer und beklemmender waren. Generell kann ich dieses Buch nur empfehlen, denn es fühlt sich beim Lesen und auch danach rundherum schlüssig und rund an. Ich freue mich auf den abschließenden Teil dieser Trilogie und spreche auch für dieses Buch eine fette Empfehlung für Dystopie-Fans aus (und für diejenigen Lesenden, die vielleicht mal etwas Neues ausprobieren wollen!).

Bewertung: 4.5 von 5.