Eliza Clark: Boy Parts

Gekennzeichnet als Rezensionsexemplar

Über das Buch:

Inhalt:

Irina ist wie besessen: Auf den Straßen Newcastles spürt sie unscheinbare Männer auf, um sie zu fotografieren – schonungslos, in expliziten Posen. Und statt sich um den öden Barjob und ihre Kunstkarriere zu kümmern, gibt sie sich Drogen, Alkohol und extremen Filmen hin.
Als sich in einer Londoner Galerie die Chance einer großen Ausstellung bietet, gerät Irina in einen selbstzerstörerischen Strudel aus Wahn und Gewalt – und reißt ihre beste Freundin sowie den schüchternen Supermarktangestellten, in den sie sich verguckt hat, mit hinab …

Meine Meinung:

Irina, unsere Protagonistin und quasi der Fixstern des Buches, bedient das typische Klischee einer exzentrischen Künstlerin. Sie scheut nicht vor Alkohol, Drogen, Lügen oder Gewalt. Das Buch beschreibt die Abwärtsspirale ihres Lebens, ihrer Psyche in direktem Kontrast zum Anstieg ihrer Karriere als Fotografin. Dabei wird die Geschichte in der Ich-Perspektive, aus Irinas Sicht geschildert. Umso tiefer es bergab geht, desto wahnhafter werden die Schilderungen. Vor allem aber erkennt Irina ihren Weg selbst nicht als Abwärtsgang an. Wie es mit Alkohol-, Drogen- und Adrenalinabhängigen eben so ist, muss der nächste Kick immer stärker, immer extremer sein. Irina sucht verzweifelt nach Aufmerksamkeit, will der Welt ihren Stempel aufdrücken, um jeden Preis aus der Masse herausstechen. Diese tief verwurzelten Wünsche lassen sie immer gnadenloser und abgestumpfter wirken. Sie ist eine Antiheldin, die in mir gleichermaßen Faszination und Ekel ausgelöst hat. Einerseits möchte man wirklich nicht wie Irina enden, keinesfalls Ähnliches erleben oder entsprechende Handlungen vollziehen. Andererseits wollte ich stellenweise ganz genau so wie sie sein – nur vielleicht in weniger extremen Ausmaßen. Denn mit ihren Taten und Entscheidungen dreht sie den patriarcharlen Spieß der Gesellschaft um. Sie nutzt ihre Erscheinung um zu bekommen was sie will und vor allem mit ihren Taten durchzukommen. Und das gelingt ihr wieder und wieder. Anstatt sich vom vermeintlich starken Geschlecht unterdrücken oder ihre Kunst ausreden zu lassen, missbraucht und benutzt sie Männer, um ihren künstlerischen Standpunkt klarzumachen. Dabei tut sie das, was normalerweise Männer tun: Sie objektifiziert, reduziert, manipuliert, dominiert und gaslightet. Und dabei macht sie vor nichts und niemandem Halt. Das Ende der Geschichte war dann etwas wirr, aber das hing mit der zunehmenden Unzuverlässigkeit von Irinas Schilderungen zusammen. Die Realität ist ab einem gewissen Punkt weder für sie, noch für uns als Leser gewiss. Die ganze Geschichte ist in einem rotzig-unverblümten Schreibstil geschrieben, der einfach zum Inhalt passt.

Bewertung:

Eine erfrischende Geschichte mit einer zugleich starken und schwachen Protagonistin, die keine moralischen Grenzen setzt und keine Konsequenzen scheut. Ich bin beim Lesen nur so durch die Seiten geflogen, denn man wird unvermeidlich in diesen Strudel aus Wahn, Exzessen, Gewalt und Manipulation hineingezogen. Mir persönlich hat das Buch gut gefallen, ich kann aber gegenteilige Meinungen ebenso verstehen, denn der Inhalt ist schon sehr extrem.

Schreibstil: 5/5
Charaktere: 5/5
Geschichte: 4/5
Spannung/Atmosphäre: 4/5
Überraschungen/Wendungen: 3,5/5

Bewertung: 4 von 5.