Elizabeth Engstrom: Wenn die Dunkelheit uns liebt

Über das Buch:

Inhalt:

WENN DIE DUNKELHEIT UNS LIEBT

Die schwangere Sally Ann gerät in ein unterirdisches Tunnel-Labyrinth unweit ihres Zuhauses. Dort wird sie nicht nur mit der Finsternis, sondern auch der Monstrosität ihrer eigenen Psyche konfrontiert. Denn etwas lauert in der lichtlosen Tiefe auf sie …

SCHÖNHEIT IST …
Jeder in der Stadt kennt die »dumme Martha«, die ohne Nase geboren wurde. Die ältere Dame ist geistig stark beeinträchtigt, doch tapfer versucht sie, ein normales Leben zu führen. Als ein paar Jugendliche herausfinden, dass Martha vermögend ist, tun sie alles, um an ihr Geld zu kommen …

Meine Meinung:

Dieses Buch enthält zwei Novellen der Autorin:

WENN DIE DUNKELHEIT UNS LIEBT

Ich weiß nicht, warum ich von der Geschichte so wenig erwartet habe, aber ich wurde wirklich stark positiv überrascht. Man wird direkt von Beginn an in das Leben von Sally Ann gezogen. Die Autorin hält sich nicht lange mit unnötigen Details auf und man kommt recht schnell zum Kern der Geschichte. Mir gefiel richtig gut, dass die Autorin mit dem Leser spielt. Einerseits werden wir in eine Welt der vollkommenen Dunkelheit entführt. Gemeinsam mit der Protagonistin erblindet man innerhalb weniger Seiten. Die Beschreibungen lösten bei mir Beklemmungen und leichte Panik aus, denn Sally Ann befindet sich in einem Höhlensystem, dessen Größe und Inhalt absolut unbekannt ist. Andererseits wird mit dem psychischen Konflikt „Wahrheit oder Wahn?“ gespielt. Es werden Aspekte eingebracht, die unbestreitbar den Halluzinationen der Protagonistin entspringen. Aber was ist mit dem Rest, den wir durch sie erfahren? Und hier beginnt das Spiel mit dem Lesenden. Man weiß an vielen Stellen nicht, ob die geschilderten Ereignisse Tatsachen entsprechen, oder der wahnhaften Fantasie von Sally Ann. Ein sehr genialer Perspektivwechsel verbindet die Realität mit der Dunkelheit und bringt uns ein wenig Wahrheit näher. Dennoch hat diese Novelle einen Ausgang, der keine eindeutige Antwort liefert und damit das Spiel mit der Psyche auch über das Lesen hinaus weiter treibt. Aber nicht nur die gelungene inhaltliche Darstellung dieser Geschichte überzeugt, sondern auch die übertragende Bedeutung. Woran lässt sich Glück und Liebe messen? Wie weit ist man bereit zu gehen, um sich selbst zu finden? Ich habe ehrlich jede Seite dieser Novelle geliebt und verschlungen. Gelungener psychologischer Horror, ohne blutig oder brutal zu sein.

SCHÖNHEIT IST …

Bei der zweiten Novelle hat sich meine Erwartungshaltung – aufgrund zuerst gelesener Geschichte – natürlich in die Höhe geschraubt. Auch hier konnte mich die Autorin bestens unterhalten und abholen. Die Szene ist eine komplett andere und auch die Grundstimmung ist eher melancholisch und von Mitleid durchzogen, als beklemmend und düster. Doch auch hier steht im Fokus eine Frau als Protagonistin – Martha – die auf den ersten Blick eher schwach dargestellt wird. Im Verlauf der Geschichte erfahren wir stückweise Details aus Marthas Vergangenheit. Insgesamt ist die Atmosphäre viel ruhiger und die Handlungen weniger dynamisch, dafür ist die psychologische Tiefe und der mentale Horror auf selber Ebene, wie in der anderen Novelle. Die Autorin setzt hier ganz klar auf Mitleid, Hilflosigkeit und Schwäche als erschreckendes Moment. Was hier für mich stärker im Fokus stand, war die Entwicklung der Protagonistin. Denn diese war hier wesentlich greifbarer und hat sich vor unseren Augen abgespielt. Auch in dieser Novelle setzt die Autorin wenig auf brutale, blutige Schilderungen. Vielmehr verwendet sie alltägliche Momente und liefert Martha diesen auf schmerzhafte Weise hilflos aus. Das Tragische daran ist, dass jedem Marthas eingeschränktes Handeln und Leben auffällt, nicht nur dem Leser, sondern auch den Bewohnern der Stadt. Sie wirkt aufgrund ihrer eingeschränkten Gedanken und ihres Wesens vollkommen allein – obwohl sie das selbst nicht auf diese Art wahrnimmt. Und dieses Spiel mit den Emotionen ist sehr Autorin sehr gut gelungen. Auch in „Schönheit ist …“ verbirgt sich ein Ende, das die ganze Geschichte auf den Kopf stellt und nachdenklich zurücklässt.

Bewertung:

So unterschiedlich beide Geschichten auch sind, so sind sie doch gleichermaßen großartig. Elizabeth Engstrom spielt mit Emotionen, mit der Psyche und mit den Gedanken des Lesers. Sie nutzt dabei subtile Momente, ohne aufdringliche Brutalität oder deplatzierte Grausamkeiten zu benötigen. Der Horror in ihren Geschichte lebt vom Alltäglichen, von einzigartigen Charakteren und von Szenen, die schmerzhaft nah an der Realität sind. Ich wünsche mir weitere Werke der Autorin im Festa Verlag, denn mit diesen beiden Novellen hat sie meinen Geschmack ohne Abstriche getroffen.

Bewertung: 5 von 5.