Ethan Kink: Decadence World

Über das Buch:

Autor: Ethan Kink
Titel: Decadence World
Verlag: Independently published (1. Januar 2019)
Genre: Horror
ISBN: 9781792928475
Preis: 12,75

Inhalt:

Stell dir vor, es gäbe einen Ort, an dem du so abartig, so pervers und brutal sein könntest, wie es dir gerade in den Sinn kommt. Ein Ort, an dem keine Gesetze gelten und niemand außerhalb dieser Welt je davon erfahren wird, was du getan hast. Bist du liquid genug, garantiert dir Decadence World ein unvergessliches Erlebnis. Du musst dich lediglich an die goldenen Regeln halten. Ein Verstoß wird dich mehr als nur Geld kosten. Alex und Hendrik suchen den ultimativen Kick. Der neue Themenbereich Zombie-World sollte zum Highlight des Wochenendes werden, jedoch nicht zum Kampf um das Schicksal der Menschheit.

Meine Meinung:

Auf dieses Buch hatte ich mich ganz besonders gefreut. Sowohl Klappentext, als auch Cover versprechen hier eine ganz außergewöhnlich brutale und abgefahrene Geschichte. Autor Alexander und sein Verleger Henrik genießen einen dekadenten Lebensstil, der von Frauen, Drogen, Alkohol und Partys gezeichnet ist. Während einer solchen, berichtet der hemmungslose Henrik seinem Star-Autoren von der „Decadence World“. Er ist davon derart begeistert, dass er Alex den Trip in Höhe von 3 Millionen Euro für ein Wochenende spendieren will. Dieser zeigt sich eher zurückhaltend und hat Bedenken, dass die dort nicht vorhandenen Grenzen sein Verständnis von Spaß zerstören könnten. Dennoch bekommt Henrik ihn überredet und die beiden befinden sich bereits wenige Seiten später in einem Boot auf dem Weg zur Insel, auf der beinahe jede Form von Spaß ohne Grenzen versprochen wird. Die Charaktergestaltung war für mich soweit okay. Wir haben hier das typische Teufelchen-Engelchen-Schema vorliegen. Während Henrik keine moralischen Grenzen hat, so wird Alex doch oft von seinem Gewissen ausgebremst. Weshalb die Freundschaft der beiden überhaupt Bestand hatte, ist für mich nicht klar ersichtlich geworden, da er seinen Verleger für seine speziellen Vorlieben doch verachtet. Dennoch beschert der Umgang der beiden miteinander dem Leser viel Spaß, obwohl ich persönlich Henrik einfach nur widerlich fand. Mit diesen beiden abgedrehten Charakteren kommen wir gut durch die Geschichte und werden dabei auch durch nicht stereotype Dialoge und Handlungen bestens unterhalten. Die Gestaltung von Decadence World ist für mich sowohl faszinierend als auch krank. Mehrfach kam mir in den Sinn, was der Autor wohl für ein Mensch sein muss, um ein derartiges Setting guten Gewissens in einem Buch verarbeiten zu können. Gewürzt mit viel Gewalt, Blut, Sex, Brutalität und keinerlei Moral begeben wir uns in die einzelnen Zelte der Insel. Hier begegnen uns verschiedene Absurditäten, die manch einer wohl mit Vergnügen gleichsetzen würde. Hier kann jeder noch so kranke Geist seine geheimsten Fantasien völlig frei und legal ausleben. Die verschiedenen Welten, in die wir Alex und Henrik begleiten, waren nicht besonders differenziert aufgebaut, dafür jedoch umso Andersartiger in ihren Wesenszügen. Ethan Kink hat wirklich vor keinem moralischen Stoppschild Halt gemacht, um dem Leser (und natürlich den Protagonisten) einen möglichst blutigen und abartigen Wochenend-Trip zu präsentieren. Als die beiden die neu bekannt gegebene „Zombie-World“ betreten, ändert sich die Atmosphäre des Buches ein wenig. Wir bewegen uns stilistisch weg von pornografischem Horror-Splatter, hin zu apokalyptischem Zombie-Dschungel. Anfangs fand ich auch diesen Setting-Wechsel noch recht spannend, obwohl er natürlich mit der eigentlichen Idee hinter „Decadence World“ nicht viel gemeinsam hat. Dennoch fühlte ich mich bis zu einem gewissen Punkt auch in dieser Welt noch bestens unterhalten. Leider änderte sich lange Zeit inhaltlich nicht viel an der Handlung, sodass sowohl Spannung als auch der Verlauf der Geschichte stagnierten. Meine bis dato anhaltende Euphorie für die Geschichte nahm mit jeder Seite mehr ab. Ab einem bestimmten Punkt baute der Autor jedoch so viele überraschende Wendungen in die Geschichte, dass meine Erwartungshaltung wieder in die Höhe schoss. Und glücklicherweise konnte sie mit allem, was nach diesem Wendepunkt kam, nur noch kontinuierlich gesteigert werden. Eine Überraschung jagte die nächste, Unvorhersehbarkeiten wurden gestreut wie Salz – natürlich absolut nicht deplatziert oder übertrieben – und die Geschichte nahm auf ihren letzten Seiten noch einmal ordentlich an Fahrt auf, sowohl inhaltlich als auch atmosphärisch. Das Ende, das darauf folgte, konnte man so nicht vorhersehen. Ich empfand es als spannend und sehr gelungen, da man mit einem solchen Ausgang am wenigsten gerechnet hätte. Aber für mich hat es einfach gepasst und diesem gelungenen Buch einen absolut würdigen Abschluss verpasst.

Bewertung:

Dieses Buch ist nicht zu empfehlen, wenn man einen empfindlichen Magen oder Geist hat. Für Fans von knallhartem Horror und unverblümten Charakteren sowie Handlungen ist diese Geschichte genau das richtige. Eine ganz außergewöhnliche Idee wurde hier beinahe perfekt umgesetzt. Der Leser wird auf eine abartige und brutale Reise mitgenommen, darf aber glücklicherweise entspannt aus der Ferne zusehen, wie die Dinge auf „Decadence World“ zunehmend eskalieren. Ethank Kink bedient sich einer passenden Sprache. Hin und wieder hat er mich mit seiner Geschichte auch zum Lachen gebracht, da die Wortwahl einfach genial und auf den Punkt war. Von meiner Seite gibt es hier eine absolute Leseempfehlung, da in dieser Geschichte einfach alles passt: Wir bekommen Gewalt, Blut, Humor, Liebe, Absurditäten und einen genialen Aufbau geboten und mich hat dieses Buch mit all diesen Elementen absolut überzeugt.

Schreibstil: 5/5
Charaktere: 4/5
Geschichte: 4/5
Spannung: 4/5
Überraschungen/Wendungen: 5/5

Gesamtbewertung: 4,4/5


• Die Coverrechte obliegen ausschließlich dem Autor. •