Eva Opfer: Ihre Schuld

Gekennzeichnet als Rezensionsexemplar

Über das Buch:


Inhalt:

Eine verstümmelte Leiche und eine tote Ente in einem Waldstück bei Wipperfürth führen den Kölner Hauptkommissar Thilo Buchholz zurück in seine alte Heimat. Gemeinsam mit seiner Partnerin Lena Hahnenberg versucht er herauszufinden, wer hinter der grotesken Tat steckt. Zwischen Verdächtigungen, Halbwahrheiten und jeder Menge loser Fäden verstrickt er sich in seiner eigenen Vergangenheit. Als eine zweite Leiche gefunden wird, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.

Meine Meinung:

Ich musste das Buch tatsächlich zwei Mal lesen, damit ich diese Rezension niederschreiben konnte. Nach dem ersten Durchgang hätte das Buch nicht sonderlich gut bei mir abgeschnitten. Ich fand die Protagonisten relativ uninteressant (bei dieser Meinung bin ich letztendlich geblieben) und ich habe den Plot als langweilig empfunden. Hierzu muss ich aber sagen, dass ich bei erneutem Lesen viel konzentrierter und tiefer in die Geschichte eintauchen konnte und mich wirklich auf ihren Inhalt eingelassen habe. Die Handlung ist recht geradlinig aufgebaut und dieser Aspekt gepaart mit Ermittlungsarbeit hat bei mir entsprechend wenig Spannung hervorgerufen. Ermittlungsarbeit in Büchern ist nicht mein Lieblingsinhalt, da oftmals wenig Spielraum für spannende Auswege oder inhaltliche Ausbrüche bleibt. Das war auch hier der Fall, weshalb mich die Geschichte schnell verloren hat. Allerdings ging es mir nach nochmaligem Lesen komplett gegenteilig. Einerseits konnte ich die relativ hohe Anzahl der agierenden Figuren besser zu- und einordnen, sodass ein ständiges Zurückblättern und damit Aus-der-Geschichte-Gerissen-Werden ausblieben. Andererseits habe ich mich intensiver auf die Zusammenhänge fokussiert, weshalb der Ausgang der Geschichte letztendlich viel mehr Sinn ergeben hat und auch seine Wirkung entfalten konnte. Rückblickend ist der Aufbau sehr schlüssig, wobei mir hier und da dennoch ein intensiver Spannungsmoment gefehlt hat. Bis auf die brutal zugerichteten Leichen ist ein Großteil des Inhalts rein aus Befragungen, Recherchen und Spekulationen zusammengesetzt. Natürlich bringt das das Genre „Krimi“ mit sich. Jedoch haben die zuständigen Ermittler – und gleichzeitig unsere Protagonisten – das Ganze für mich wahnsinnig unspektakulär vermittelt. Thilo und Lena sind als Duo ganz sympathisch und man spürt, dass sie eine verlässliche Einheit bilden, jedoch haben mich deren privaten Probleme recht wenig interessiert und ich hätte darauf verzichten können. Und obwohl ich bis hier viel Kritik geäußert habe muss ich sagen, dass das Ende mich – nachdem ich mich wirklich auf das Buch einlassen konnte – sehr stark gefesselt hat. Ich liebe die Idee und letztendlich auch die abschließende Umsetzung dieser. Die Auflösung bietet hier für mich den wahren Gänsehautmoment und tatsächlich auch Sequenzen die zum Nachdenken anregen. Man wird gezwungen über das Thema Selbstjustiz nachzudenken und sich vor allem für eine moralische Seite zu entscheiden. Das Ende hat für mich wirklich eine runde Geschichte kreiert und die teils schleppenden Stellen auf dem Weg dort hin beinahe wett gemacht.

Bewertung:

Man sollte sich bewusst sein, dass ein Krimi kein Thriller ist. Dieses Buch ist der beste Beweis. Wenn man in vergleichsweise ruhiger Ermittlungsarbeit ein spannendes Leseerlebnis findet, dann ist man mit diesem Werk gut bedient. Ich habe durchaus Spannung vermisst, jedoch hat mich das Ende wirklich von der Geschichte insgesamt überzeugen können, weil mich die Schlüssigkeit und gleichzeitig die Brutalität der menschlichen Psyche absolut abgeholt hat. Ein bisschen mehr Würze in der Charaktergestaltung und auch das Kreieren von gut platzierten Spannungsmomenten hätte mich definitiv vollständig von diesem Buch überzeugen können.

Schreibstil: 4/5
Charaktere: 2,5/5
Geschichte: 4,5/5
Spannung/Atmosphäre: 2/5
Überraschungen/Wendungen: 4,5/5

Bewertung: 3.5 von 5.