Isabelle Herzog: Bookish Game

Gekennzeichnet als Rezensionsexemplar

Inhalt:

Du liebst es doch, wenn andere fallen, oder?
Wenn Skandale hochkochen, Konkurrenten aufeinandertreffen und das Internet vor Gerüchten kocht? Aber was, wenn dieser Sturm kein Spiel ist, sondern echte Leben verschlingt?

Vier Persönlichkeiten der Buchwelt stehen im Fokus des Literaturpreises des Jahres. Rivalitäten brechen aus, geheime Abmachungen machen die Runde und jede Bewegung könnte sie alles kosten: Karriere, Ruf, vielleicht sogar mehr. Während draußen der Applaus tobt, lodert im Hintergrund ein Krieg, der live gestreamt und von Millionen Klicks und Kommentaren befeuert wird.
Und du? Du liest das. Du bist Teil davon. Deine Erwartungen, Meinungen und Stille zählen. Denn das Internet liebt Helden … und es liebt, sie zu zerstören.

Meine Meinung:

Mir fällt es richtig schwer, dieses Buch zu bewerten. Das Thema und der Klappentext klingt phänomenal, nach jeder Menge Skandale, Intrigen und Feuer. Man startet auch nicht seicht in diese Geschichte, sondern bekommt sofort von der ersten Seite an Negativität, Rivalität und Manipulation geboten. Ich bin ehrlich: Ich war sofort völlig dem Buch verfallen. Außerdem ist diese melodische, poetische Sprache, die Isabelle Herzog benutzt, unfassbar fesselnd. Die schön gewählten Worte verpacken letztendlich aber keinerlei schönen Inhalt. Es wird schmutzig, es fallen Masken, es wird brutal. Die ersten 100 Seiten war ich von dieser Art der Darstellung auch sehr angetan und ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen, weil die Sogwirkung und meine innere Sensationsgier viel zu groß war. Allerdings kam dann ein Punkt, an dem es mir schwer gefallen ist, dran zu bleiben. Denn ich hatte das Gefühl, dass dieses Buch ausschließlich von Erzählungen und Dialogen lebt. Die Handlung selbst ist ein Hintergrundrauschen und der Kampf um den angepriesenen Literaturpreis findet wirklich aktiv viel mehr im Hintergrund statt und bekommt kaum Erwähnung. Vordergründig zerfleischen sich die Protagonisten mit vermeintlichen Belanglosigkeiten gegenseitig. Das alles geschieht in einer Branche, in der in meinen Augen gar kein Konkurrenzkampf herrschen dürfte, da jede Geschichte ihre Daseinsberechtigung hat. Jedes geschriebene Wort ist es wert, gelesen und geliebt zu werden, denn hinter jedem steckt Leidenschaft und Herzblut. Ich weiß, dass die gesamte Wahl der Darstellung der Autorin eine Bedeutung hat und keineswegs zufällig gewählt wurde. Sie soll aufzeigen, dass in der Buchwelt das Drama, die Gerüchte und die Skandale leider wesentlich häufiger im Fokus stehen können, als die Bücher und Geschichten selbst. Sie soll aufzeigen, dass Autoren und Autorinnen ihre Persönlichkeit in der Öffentlichkeit entzogen bekommen, ihre Werke instrumentalisiert werden, damit Aufmerksamkeit und die anonymen Zuschauer hinter den Bildschirmen den Erfolg vorantreiben – anstatt wahrhaftig die Geschichte ihrer selbst wegen zu genießen. Gute Geschichten sind nicht der einzige Garant für gute Leserschaft und steigende Verkaufszahlen. Weiterhin sind mir auch die vier Protagonisten sehr oberflächlich und unnahbar erschienen. Mit Sicherheit ein weiterer bewusst gewählter Aspekt, um die genannte Wirkung noch stärker zu erzielen. Die Botschaft ist bei mir angekommen und ich bewundere die Autorin für ihre eingesetzten Stilmittel. Dennoch ist dieses Buch eine fiktive Geschichte, deren Inhalt mich verschlingen soll. Dieser Aspekt ging leider ab einem gewissen Punkt verloren, weil mir schlichtweg ein wenig handlungsvoranbringender Inhalt gefehlt hat. Jedoch gibt es einen Aspekt im Buch, der mir extrem gut gefallen hat. Die Perspektiven verteilen sich auf die Protagonisten. Und dann gibt es eine Perspektive, die unbenannt ist. Hier wird der Lesende direkt adressiert und es wird mit dem Finger auf ihn gezeigt. Diese Perspektive meint uns alle, und vor allem diejenigen, die Geschichten und Bücher nicht vordergründig um ihrer selbst willen konsumieren. Diese Perspektiven haben mich sehr nachdenklich gestimmt und stark reflektieren lassen. Wie verhält man sich selbst, wenn online wieder eine Hexenjagd losgetreten wird? Welchen Platz hat man in dieser Buchwelt? Wo sieht man sich oder welche Rolle schreibt man sich selbst zu? Untermalt wird diese Adressierung durch Online-Kommentare, die das Geschehen im Haus mitverfolgen, kommentieren und bewerten. Diese Stellen im Buch waren meine liebsten, weil sie für mich inhaltlich sehr viel Mehrwert hatten und wirklich mein Innerstes angesprochen haben.

Bewertung:

Das Buch ist sehr wichtig und vermittelt eine klare Botschaft. Die Autorin hat sich entschieden, diese Botschaft krass und überspitzt und wahrscheinlich mit mehr Wahrheitsgehalt, als Außenstehende ahnen, zu transportieren. Ich mag die Idee dahinter sehr und habe gerade zu Beginn das Buch nicht aus der Hand legen wollen. Leider fehlt mir insgesamt etwas Handlung und auch die Tiefe der Figuren war für mich nicht in dem Umfang vorhanden, wie ich es präferiert hätte. Sie wirken vielmehr wie Statisten und Darsteller, als echte Menschen. Und nochmal: Ja, ich habe die Intention und auch die Wahl der Autorin verstanden, jedoch hätte ich mir dennoch hier und da, einfach der Geschichte wegen, etwas mehr Zugänglichkeit gewünscht.

Bewertung: 3.5 von 5.