
Über das Buch:
Autorin: Jeannette Echterhoff
Titel: Der Duft von Furcht und Finsternis
Verlag: Scylla Verlag
Genre: Thriller
ISBN: 978-3945287347
Preis: 16,99 €

Inhalt:
Es begann ganz harmlos. Ein netter Kollege, ein paar freundliche Worte. Doch schnell entwickelt sich die Situation für Tess zu einem Alptraum. Sie wird gestalkt, verfolgt und bedroht, bis sie keinen anderen Ausweg mehr sieht, als aus ihrem Leben zu flüchten.
Sie stattet sich mit allem aus, was sie für eine längere Wanderschaft braucht und taucht in den Wäldern unter. Doch die Sicherheit und Freiheit in der Stille der Natur täuscht. Immer wieder verschwinden Wanderer. Spurlos. Als die erste Leiche gefunden wird, muss Tess sich entscheiden:
Will sie die Beute sein? Oder die Jägerin.
Meine Meinung:
Ich habe dieses Buch ehrlich gesagt verschlungen. Tess gewährt anfangs Einblick in die Zusammentreffen mit ihrem Kollegen, der sich als Stalker entpuppt. Sein Verhalten war ausschlaggebend für die weiteren Ereignisse dieser Geschichte. Tess will der Situation entfliehen, entschließt sich, alles hinter sich zu lassen und flüchtet in die Tiefen der Wälder. Eine solche Reaktion würde man von einem Stalking-Opfer eher nicht erwarten. Der Wald impliziert Schutzlosigkeit und Ausgeliefert-Sein. Und obgleich gut vermittelt wird, dass sich bei Tess in bestimmten Situationen die Angst an die Oberfläche kämpft, so wird sie keineswegs in eine Opferrolle gedrängt. Die Autorin zeichnet sie als starke Frau, der eben etwas Schreckliches widerfahren ist, die jedoch mit allen ihr verfügbaren Mitteln gegen diese Erfahrung ankämpft. Für die Charaktergestaltung kann ich nur sagen: volle Punktzahl von mir. Tess ist tough, hat einen großartige Humor und wirkt beinahe wie eine gute Freundin, im Zusammenspiel mit ihrem wunderbaren Pan könnte ich mir kein sympathischeres Protagonisten-Duo vorstellen. Damit einher geht natürlich auch der großartige Schreibstil, der diese Empfindungen perfekt einfangen konnte. Stellenweise wird auch die Perspektive eines gewissen Remus eingebunden. Hier wird schnell klar, um wen es sich dabei handelt und welche Intentionen er verfolgt. Das Wissen um den Täter hat der Geschichte jedoch keine Spannung genommen, da beide Protagonisten sich innerhalb ihrer Kapitel umeinander herum bewegen. Einzig die genaue Motivation von Remus hätte intensiver beleuchtet werden können. Natürlich ist man zum Schluss nicht gänzlich unwissend, allerdings hätten ausführlicher ausgeführte Beweggründe die Geschichte in meinen Augen mehr abgerundet.
Der Wald als Schauplatz bietet immer eine gewisse Grundlage für düstere, unheilvolle Atmosphären. Dieses Element wurde gut genutzt und stellenweise durch menschliche Interaktionen oder auch Zeltplätze entschleunigt, ohne dabei die Spannung zu stark abflauen zu lassen. Und obwohl ich kein großer Fan von deutschen Settings bin, ist der Autorin hier die gekonnte Verfremdung der Umgebung gelungen. Sie erwähnt im Vorwort, dass sie gewisse Stellen selbst mit ihrem Hund abgelaufen ist, allerdings nimmt sie Abstand von genauen Ortsnamen oder Wegbezeichnungen. Dadurch gelingt eine authentische Beschreibung – für den Leser – aber gleichzeitig wird auch das übermächtige Gefühl eines „deutschen Settings“ – für mich sehr wertvoll – eingedämmt. Gewissermaßen bekommen der Wald und die Route, die Tess läuft, etwas Anonymes, weshalb ich mich während des Lesens sehr wohl gefühlt habe.
Bewertung:
Dieses Buch ist wirklich lesenswert. Der Schreibstil und die Atmosphäre werden noch verstärkt durch kleine Details, etwa Chatverläufe aus einem Internetforum oder die Packliste von Tess. Die Beschreibung von Tess bringt ihr gegenüber eine große Sympathie mit sich, sodass es keineswegs an Nahbarkeit gefehlt hat. Einen Thriller in dieser Art in einem Wald stattfinden zu lassen ist immer eine gute Idee. Auch die fortwährende Dynamik – eben durch die Wanderung – bringt die Geschichte voran. Für mich ist dieses Buch ein absolutes, kurzweiliges Highlight. Ich habe es wegen seiner Einfachheit in einem Rutsch gelesen, ohne dass ich dabei Tiefe vermisst hätte. Einzig ein paar mehr auflösende Worte zum Ende hin hätten es für mich absolut rund gemacht. Ansonsten ein toller Thriller für den Herbst, spürbar gut recherchiert und mit toll ausgearbeiteten Charakteren.
Schreibstil: 5/5
Charaktere: 5/5
Geschichte: 4/5
Spannung/Atmosphäre: 4/5
Überraschungen/Wendungen: 4/5
Gesamtbewertung: 4,4/5