Judith Gridl: Der tiefste Punkt

Gekennzeichnet als Rezensionsexemplar

Über das Buch:

Inhalt:

Während eines Sturms vor der deutschen Ostseeküste verunglückt ein Ausflugsschiff mit einer Hochzeitsgesellschaft an Bord. Vierundzwanzig Menschen, alle Teil der kleinen Ostseegemeinde Reetna, verlieren in den Fluten ihr Leben. Auch der beste Freund der Informatikerin Nina wurde tot aus dem Wasser geborgen, doch Nina glaubt, ihn noch nach dem Unfall gesehen zu haben. Zusammen mit dem örtlichen Seenotrettungspiloten Matthew nimmt Nina die Ermittlungen rund um den Untergang der Hedwig auf und wird in Ereignisse hineingezogen, die noch weit höhere Wellen schlagen …

Meine Meinung:

Mir fällt es wahrlich schwer, dieses Buch zu bewerten. In meinen Augen ist es ein klassischer Fall von „zu viel gewollt“. Man steigt in die Geschichte ein und wird ohne Vorwarnung mitten ins Geschehen, zwischen all die unbekannten Charaktere und in eine brisante Situation geworfen. Kein Vorgeplänkel, keine Vorstellungsrunde, es geht sofort los. Das finde ich grundsätzlich für einen Thriller nicht schlimm, jedoch sollte hier mit einer auf dem Hochzeitsschiff verstorbenen Person sympathisiert bzw. Mitleid erzeugt werden. Da diese jedoch ausschließlich von Erzählungen anderer Figuren gezeichnet wird, bleibt es bei einer Oberflächlichkeit. Und ganz plötzlich wimmelt es nur so vor Charakteren, Handlungssträngen und verschiedenen Handlungsorten, während das Schiffsunglück beinahe in den Hintergrund gerät. Ich persönlich habe erwartet, dass der inhaltliche Fokus verstärkt auf diesem Unglück liegt, da dieses – und die vierundzwanzig Verstorbenen – zunächst ein großes Gewicht bekommen. (Ergänzung: Beim Schreiben dieser Rezension habe ich festgestellt, dass es eine überarbeiteten (?) Klappentext gibt, der auch die anderen Aspekte beleuchtet und eventuell meine Erwartungen mit Fokus auf das verunglückte Hochzeitsschiff weggeleitet hätte) Jedoch springt man von Nina, der Mitbewohnerin des verstorbenen Simon, zu Omar, der wilde Elefantenherden in Kenia trackt, weiter zu Shana, einer Astronautin auf der ISS. Und langsam drängt sich immer mehr die Frage auf: Wie hängt das alles plausibel zusammen? Viele Ereignisse scheinen unfassbar unglaubwürdig und die Erklärungen dazu konstruiert. Noch dazu gibt es mindestens drei inhaltliche Abzweigungen, deren Sinnhaftigkeit kurze Zeit später im Sande verläuft und nicht wieder erwähnt wird. Das stiftet für mich viel mehr Verwirrung, als dass es Spannung kreiert. Außerdem waren die drei eingebauten Liebesgeschichte für mich sehr überflüssig und auf jeden Fall zwei davon eher an den Haaren herbeigezogen. Ich muss zugeben, dass mich das erste Drittel schon gepackt hat. Nachdem ich Zugang zu der Geschichte gefunden und einigermaßen akzeptiert hatte, dass sich diese doch anders entpuppen könnte, als erwartet, habe ich kurzzeitig das Buch wirklich nicht aus der Hand legen wollen. Als es inhaltlich dann jedoch immer mehr und immer verwirrender wurde, habe ich das Interesse leider verloren. Ich habe gekämpft, die Zusammenhänge zu verstehen und den vielen Handlungssträngen zu folgen. Natürlich ergibt das Gesamtbild am Ende auch irgendwie einen Sinn, jedoch war der Weg dahin für mich als Leserin eher steinig und wirkte insgesamt konstruiert und nicht so flüssig, wie ich es mir gewünscht hätte.

Bewertung:

Für mich persönlich war die Auflösung dieses Thrillers einfach zu sehr um die Ecke gedacht. Ich fand die Erklärung leider weder greifbar, noch besonders packend. Natürlich werden wichtige Themen – wie etwa Artenschutz oder der Missbrauch unserer technischen Möglichkeiten – kritisch betrachtet. Jedoch hat das dem Thriller in diesem Umfang einfach den Aufschwung genommen und mir persönlich das Lesen erschwert. Ich kann leider nicht sagen, dass dieses Buch dem zugewiesenen Genre gerecht wird, denn die Spannung flaut mit zunehmendem Verlauf ab und die kreierten Twists sind für mich nicht nachvollziehbar gewesen. Für mich fehlt hier einfach Struktur und der Fokus auf ausgewählten Handlungssträngen.

Schreibstil: 4/5
Charaktere: 2/5
Geschichte: 2/5
Spannung/Atmosphäre: 2/5
Überraschungen/Wendungen: 1,5/5

Bewertung: 2 von 5.