Judith Kleiner: Die Stille tiefen Wassers – Wenn aus Schatten Licht entsteht

Gekennzeichnet als Rezensionsexemplar

Über das Buch:

Inhalt:

Einen besseren Neustart hätte sich Hailee Borrows nach ihrer Flucht aus den Staaten in ihren kühnsten Träumen nicht ausmalen können. Ihr neues Zuhause bietet ihr Sicherheit, einen guten Job, neue Bekannte und einen Mann, der sich liebevoll um sie bemüht. Doch nachdem die äußeren Wunden abgeheilt sind, tobt in ihr ein quälendes Chaos, das weiter befeuert wird, als alte Freunde sie ausfindig machen. Erst jetzt erfährt sie, wie weit Chris mit seinen Lügen zu gehen bereit ist und wie unerbittlich er immer noch nach ihr sucht. Bald wird klar, dass sie sich ihrer geheimnisreichen Vergangenheit auf Dauer nicht entziehen kann.

Meine Meinung:

Band 2 der sechsteiligen Reihe rund um unsere Protagonistin Hailee fasst beinahe das dreifache Volumen seines Vorgängers und verspricht damit, richtig tief in die Welt der Figuren und in die Handlung einzutauchen. Während mit Band 1 der Einstieg in die Geschichte gemacht ist, beginnt die Fortsetzung in keinster Weise unter dem Auge einer düsteren Grundstimmung. Hailee bekommt die Chance, als Einzelcharakter zu glänzen und das gelingt ihr hervorragend. Zeitweise agiert sie alleine und unabhängig, ohne ihren Co-Protagonisten Damiano. Man lernt hier eine andere Seite von ihr kennen, die dem Lesenden aufgrund des bisherigen Inhaltes verwehrt wurde. Die Protagonistin, die uns zu Beginn des Buches begegnet, ist losgelöst und weitestgehend frei in ihren Handlungen. Dabei bleibt sie sich charakterlich treu, ohne ihre Grundprinzipien oder Vergangenheit gänzlich auszulöschen. Judith Kleiner schafft diesen Spagat in der Charaktergestaltung von Hailee auf eine sehr authentische und erfrischende Art. Allerdings würde es sich bei dem Buch nicht um einen Thriller mit romantischen Aspekten handeln, wenn die Stimmung durchweg vor Sonnenschein triefen würde. Selbstverständlich gibt es einen inhaltlichen Bruch, der die Illusion der heilen Welt ebenso schnell raubt, wie sie vermittelt wurde. Die Geschichte wird weitestgehend in reduzierter Umgebung erzählt. Großartige Sprünge in der Örtlichkeit der Handlung sind nicht vorgesehen. Dafür jedoch das Eintauchen in die Welt und das Leben einer anderen Hauptfigur: Damiano. Der Fokus hier liegt ganz klar auf ihm. Stellenweise bekommen wir Informationshappen von ihm geliefert, die einen tieferen Einblick in sein Wesen liefern. Man lernt Nebencharaktere kennen, die ihm nahe stehen, wodurch vollkommen neue Seiten von ihm offenbart werden. Er gewinnt an Nahbarkeit und Sympathie dazu. Die Kluft zwischen Geschäftsmann und Familienmensch wird durch die Sequenzen seines Umfeldes authentisch überbrückt und erweitert das Puzzle rund um sein dargestelltes Bild. Wie nicht anders erwartet, wird trotz der Ernsthaftigkeit der Gesamtsituation auch in Band 2 nicht mit Humor, derben Sprüchen und liebevollem Gefrotzel gegeizt. Dennoch verliert die Autorin erkennbar ihr Ziel nicht aus den Augen. Sie stellt die Haupthandlung in den Vordergrund und die Romantik ganz weit an den Rand des Geschehens. Ich finde es großartig, dass man trotz der rar gesäten Momente zwischen Hailee und Damiano die Verbindung greifbar spüren kann, die Autorin diesem Aspekt der Geschichte jedoch so wenig Raum wie möglich und nur so viel wie nötig einräumt. Dadurch geht die Ernsthaftigkeit von Hailees Situation und ihren Erlebnissen nicht unter. Sie bleibt für den Lesenden weiterhin die starke Protagonistin, die gleichzeitig gerne etwas mehr Schwäche zulassen dürfte.

Bewertung:

Spannende Momente waren durchaus vorhanden, allerdings punktet dieses Buch bei mir vielmehr durch den mitreißenden Sprachstil, die Gestaltung der Figuren und die intensive Aufarbeitung der Vergangenheit. Man bekommt das Gefühl, dass die Charaktere einem mit jeder Seite mehr und mehr ans Herz wachsen. Ich finde genau darauf kommt es in einer Buchreihe an, die schlussendlich sechs Teile umfassen soll. Man möchte nicht nur Zugang zum Geschehen, sondern auch zu den Trägern der Geschichte, die einen viele Seiten lang begleiten werden. Das ist hier definitiv gegeben, obgleich ich inhaltlich etwas mehr Spannung begrüßt hätte. Der gewisse Schwung, der das Geschehen letztendlich richtig einläutet, wird zum Schluss angeteasert und verspricht damit eine Fortsetzung, die rasanter, düsterer und etwas dynamischer wird.

Schreibstil: 5/5
Charaktere: 5/5
Geschichte: 4/5
Spannung/Atmosphäre: 3,5/5
Überraschungen/Wendungen: 3,5/5

Gesamtbewertung: 4,2/5

Bewertung: 4 von 5.