
Über das Buch:
Autorin: Julia M. Moser
Titel: Inferiority – Antworten, die wir nicht kennen
Herausgeber: BoD – Books on Demand; 1. Edition (1. Mai 2023)
Genre: Vampirroman
ISBN: 978-3746099132
Preis: 18,99 €

Inhalt:
Grace Huntington steht vor den Scherben ihres Lebens. Sie hat alles verloren. Doch die Gefahr ist längst nicht gebannt. András ist immer noch irgendwo da draußen und mit ihm unzählige andere, die seinen Befehlen blind Folge leisten. Wenn es nach Dante geht, liegt die Lösung auf der Hand: Alle Vampire müssen sterben. Einen anderen Frieden kann es nicht geben. Ist die Grenze zwischen Gut und Böse im Glauben an das Richtige wirklich belanglos, oder zieht Dante am Ende in Wahrheit nur gegen sich selbst in den Krieg?
Meine Meinung:
Band 2 der Inferiority-Saga behält sich vom Aufbau her einen Aspekt gegenüber dem Vorgänger bei: der ständige Perspektivwechsel zwischen den Kapiteln. Hier betrachten wir die Geschichte jeweils aus der Sicht von Grace, Dante und András. Auch die bereits bekannten Rückblicke haben wieder einen Platz zwischen den Deckeln des Buches gefunden. Rückblicke, die sich mit Vorfällen aus dem Leben von Dante und András befassen, welche sich im 17. und 18. Jahrhundert ereignet haben. An dieser Stelle kann ich nur ein großes Lob für die Autorin aussprechen. Ob sprachlich, inhaltlich oder atmosphärisch – die kleinen Zeitreisen sind mit einer unvergleichlichen Authentizität geschrieben. Hier ist jedes Wort an der richtigen Stelle, die Umgangsformen und Denkweisen sind perfekt übermittelt und wirken absolut realistisch der damaligen Zeit entsprungen. Hierbei muss ich auch sagen, dass die Schilderungen der zurückliegenden Perspektiven das Highlight im Buch sind. Verglichen mit Band 1 schwächelt die Hauptstory nämlich für mich etwas. Ich kann es nicht genau beschreiben, aber es fühlt sich manchmal während des Lesens so an, als ginge der rote Faden verloren. Mir fehlte wohl der ein oder andere inhaltliche Hinweis auf das große Ganze, das Erinnern an den kolossalen Hauptgrund für das Verhalten einiger Charaktere. Natürlich weiß man, warum sich die Geschehnisse so zutragen, wie sie es tun, diesem Thema wurde sich im ersten Band ausreichend gewidmet. Allerdings gibt es viele kleine Nebenschauplätze, die teilweise ablenkend wirken. Dafür entwickelt sich die Beziehung zwischen Dante und Grace überhaupt nicht wie erwartet und dazu noch überaus schleppend. Mir gefällt, dass die emotionale Beziehung der beiden nicht so stark im Fokus steht und nur stellenweise angekratzt wird. Dafür hatte ich den Eindruck, dass die Autorin sich wieder vermehrt der Charaktergestaltung von András gewidmet hat. Ich hatte nach Beendigung von Band 1 ein klares Bild und auch eine eindeutige Meinung zu ihm. Julia hat es durch ihren Schreibstil und ihre Schilderungen allerdings geschafft, das alles deutlich ins Wanken zu bringen. Dante hingegen scheint hier blasser gezeichnet und rückt als Charakter ein wenig in den Hintergrund, was seine Nahbarkeit angeht. Ein ganz persönliches Highlight war für mich die Geschichte von Ilona und András. Indirekt schleust Julia M. Moser hier eine neue Figur ein, die in der Haupthandlung keine Rolle spielt. Auf dem Nebenschauplatz der Vergangenheit wird sie – und auch ihre Beziehung zu András – so detailliert und fesselnd ausgearbeitet, dass mich dieser Teil des Buches am meisten packen konnte. Die Tatsache, dass die Fäden der Vergangenheit das Netz der Gegenwart derart spinnen, ist schriftstellerisch sehr mitreißend und schlüssig umgesetzt. Der Epilog deutet eine neue, vielversprechende Entwicklung für die Fortsetzung an, und auch das Ende als Ganzes hält einige Wendungen bereit. Diese bleiben zunächst offen, sodass ihnen sicherlich Raum im dritten Band gegeben wird, allerdings wurde ich auf den ersten Blick nicht mit allen durch ihre alleinige Andeutung warm.
Bewertung:
Bei der Fortsetzung der Inferiority-Reihe hatte ich den ein oder anderen Kritikpunkt, während es beim Vorgänger schlicht keine gab. Allerdings sind die wirklich guten Stellen in diesem Buch auch direkt um ein Vielfaches besser, als im Vorgänger. Zunächst ist die Charakterentwicklung sehr beeindruckend. Die Geschichte zwischen Ilona und András entwickelt eine unvergleichliche Atmosphäre und zeigt den Antagonisten gleichzeitig in einem völlig neuen Licht. Die Rückblicke sind im Generellen das Überzeugendste. Sie sind derart detailliert, gleichzeitig aber auch packend und authentisch. Mir fehlte, wie erwähnt, an mancher Stelle das Gefühl eines roten Fadens innerhalb der Haupthandlung, aber man verliert grundsätzlich nie den Fokus zur Grundgeschichte. Die Beziehung der drei Protagonisten zueinander ist verworren, aber gleichzeitig sehr durchdacht, und enthält unglaublich viel Potential für unvorhersehbare Entwicklungen.
Abschließend gibt es nur zu sagen, dass ich dieses Geschichte rund um Grace, Dante und András liebe. Es könnte noch alles passieren, während man auf nichts davon gefasst ist, und das macht den Reiz dieser Bücher so stark.
Schreibstil: 5/5
Charaktere: 5/5
Geschichte: 4/5
Spannung/Atmosphäre: 4,5/5
Überraschungen/Wendungen: 4/5
Gesamtbewertung: 4,5/5