Marie Wigand: Homali Sagina

Über das Buch:

Autor: Marie Wigand
Titel: Homali Sagina
Verlag: Redrum Books
Genre: Sci-Fi-Horror
ISBN: 978-3959570800
Preis: 14,99€

Inhalt:

»Was ist los?«, fragte Monika besorgt. Caspar schluckte. Dann rang er sich zu einer abgehackten Antwort durch: »Sie wollen kastrieren. Sofort.«
Immer mehr Personen verschwinden spurlos aus Lindas Umfeld. Als schließlich sogar ihre geliebte Mutter wie vom Erdboden verschluckt ist, macht sie sich auf die Suche nach ihr. Eine Suche, die jedoch schnell in einem nicht enden wollenden Albtraum endet.

Meine Meinung:

Alles beginnt eigentlich ganz harmlos und unter der Info, die der Klappentext hergibt, konnte ich mir nicht wirklich eine Richtung vorstellen. Die Protagonistin, Linda, ist alles andere als zufrieden mit ihrem Leben. Ihr Job als Krankenschwester verlangt ihr, dank Mobbing am Arbeitsplatz, einiges ab. Auch privat hat sie mit Freund Sven nicht gerade den Jackpot gezogen: arbeitslos, faul und eine Aufmerksamkeitsspanne die vom Computerbildschirm bis zu seinem Gehirn reicht. Als dann auch noch Lindas Mutter zu dem großen Personenkreis Verschwundener gehört, gibt es eine Kehrtwende in ihrem Leben. Auf die Empfehlung eines Freundes hin, will sich Linda einer Gruppe anschließen, die die vermissten Personen aufspüren will. Und daraufhin nimmt das Grauen seinen Lauf. Da ich niemanden spoilern möchte, bleiben die nachfolgenden Geschehnisse ein Geheimnis. Dennoch kann ich sagen, dass ich das „Sci-Fi“ auf dem Cover irgendwie überlesen habe, denn die nachfolgende Richtung habe ich so nicht erwartet. Ich konnte mich glücklicherweise recht schnell damit anfreunden und diese inhaltliche Entwicklung akzeptieren. Dieses Buch ist eine Steigerung. Eine Steigerung dessen, was ich bisher für Ekel gehalten habe. Ich musste tatsächlich an mehreren Stellen unterbrechen, damit alles in meinem Magen schön dableibt, wo es ist. Dennoch waren sämtliche Schilderungen der Gewalt- und Folterszenen überhaupt nicht übertrieben. Sie sind realistisch und glaubwürdig in dieses Gesamtkonstrukt eingebaut worden. Aber eben auch so gut und nah an der Realität, dass mein Magen und ich des Öfteren eine Pause benötigten. Sobald ich hinter die Idee kam, die Marie Wigand mit diesem Buch aufzeigt, war ich absolut begeistert – natürlich auch schon vorher aufgrund der hohen Gewaltbereitschaft und Nutzung unmenschlicher Folterpassagen um Unterhaltungswert zu schaffen. Aber als ich dann bemerkte, dass diese Geschichte nicht rein sinnlos kaltblütig, ekelhaft und brutal ist, sondern sich dahinter eine Message verbirgt, die sich durch das ganze Buch zieht, war ich sofort Feuer und Flamme. Auch wenn das versteckt angesprochene Thema für mich einen niedrigen Identifikationswert hat, so finde ich es doch eine großartige Idee, mit einer solch brachialen Vorgehensweise darauf aufmerksam zu machen. Dabei sind Marie Wigand aber sowohl die primäre Geschichte, als auch die versteckte, wunderbar gelungen. Die vordergründige Handlung erzeugt eine konstante Spannung, die bis zum Ende hin beinahe durchgängig bestehen bleibt. Für mich gibt es nur zu kritisieren, dass die Dialoge manchmal etwas flach und oberflächlich daherkamen. Es wurde wenig aufeinander eingegangen und jeder Charakter wirkte doch recht einseitig dargestellt. Das macht sie natürlich auch etwas farblos. Hier und da bekam ich das Gefühl, ich hätte von den Figuren viel mehr Emotionen benötigt, um eine gute Bindung aufbauen zu können. Teilweise wirkten auch Dialoge und Charaktere recht kindlich, weshalb ich mich stellenweise mit den Gedankengängen und Handlungen schwer identifizieren konnte. 

Bewertung:

Die Geschichte selbst empfand ich als äußerst spannend und brutal. Unvorhersehbarkeit im Verlauf waren gegeben. Als Leser konnte man nie wissen, welches Ausmaß die ganze Sache noch annehmen wird und wie weit und skrupellos gewissen Parteien bereit sind zu gehen. Sowohl Gewalt- als auch Sex- und Folterszenen kamen für ein Horror-Buch definitiv nicht zu kurz. Sie waren für mich zu genüge vorhanden und ebenso gut beschrieben wie auch eingebunden worden. Die Doppeldeutigkeit der Geschichte ist ein äußerst gelungener Schachzug, der mich absolut für sich gewinnen konnte und dem Buch einen tiefen Sinn gegeben hat, der über unsinniges Abschlachten und Blutvergießen weit hinaus geht. Ein etwas größerer Kritikpunkt, der dem Buch an Brillanz genommen hat, waren die Dialoge bzw. die Charaktergestaltung. Hier fehlte mir teilweise Tiefe, aber auch Struktur. Oberflächlich wurden hier und da intensivere Gespräche angerissen, in deren Verlauf aber recht wenig und ohne große Erklärung aufeinander eingegangen wurde. Für mich brachte das auch die Nachvollziehbarkeit bestimmter Reaktionen und Handlungen ins Schwanken. Ich bin wirklich gespannt, was Marie Wigand aus der Fortsetzung macht. Ob sie lediglich die primäre Geschichte fortführt, oder ob sie für den Leser wieder eine versteckte Kritik in den Hintergrund einbaut, So oder so konnte mich dieses Buch sehr von sich überzeugen. Wer auf der Suche nach einer Horror-Geschichte ist, die tatsächlich tiefer geht und deren Hintergrund beinahe jeden betrifft und kritisiert, der wird hier auf alle Fälle fündig.

Schreibstil: 3/5
Charaktere: 3/5
Geschichte: 4/5
Spannung: 5/5
Überraschungen/Wendungen: 5/5

Gesamtbewertung: 4/5


• Die Coverrechte obliegen ausschließlich dem Redrum Verlag. •

[Gekennzeichnet als Rezensionsexemplar]