Marius Kulin: A Crown Drowned in Shadows

Über das Buch:

Inhalt:

Splinter Vanes Moment ist endlich gekommen, als der König von Foris im Sterben liegt. Denn damit beginnt die berüchtigte Kronensplitterjagd, der Kampf um die Krone unter den Kronerben. Mit einer List schleust Splinter sich zusammen mit einer Gruppe Magiebegabter in die Jagd ein: die Gelehrte Anwar, den Tagelöhner Ruan und die Diebin Sora, die jedoch alle ihre eigenen Ziele verfolgen. Während sie sich den Gefahren der Prüfungen und ihren tödlichen Gegnern stellen, wächst erstes Vertrauen zwischen ihnen – bis ihre Geheimnisse die Verfolgung aufnehmen und die Jagd in eine ungeplante Richtung lenken. Schon bald muss sich die Gruppe fragen, ob sie wirklich noch um die Krone spielen und ob nicht etwas Gefährlicheres in den Schatten lauert.

Meine Meinung:

Das Buch hat mich von der ersten Seite an an eine Mischung aus „Tribute von Panem“, „Die Bestimmung“ und ein wenig „Harry Potter“ erinnert. Diverse Elemente dieser Welten sind in abgewandelter Form in diesem Buch zu finden. Dennoch hat Debüt-Autor Marius Kulin seine ganz eigene Version geschaffen. Die vier Protagonisten kommen im Wechsel zu Wort, außerdem wird die Geschichte in der Gegenwart erzählt, ebenso wie in der Vergangenheit. Nach und nach setzt sich daraus ein jeweiliges Leben, jeweilige Geschichten, Ängste, Ziele und Träume zusammen. Dennoch habe ich persönlich wenig emotionalen Zugang zu den Protagonisten gefunden. Für eine so intensiv ausgearbeitete Geschichte, mit derart vielen Verzweigungen und Tiefgang hätte die Geschichte gerne in Form von mehreren Teilen daherkommen dürfen, die Ideen und inhaltlichen Momente dafür wären definitiv gegeben gewesen. Außerdem wird man direkt ohne Vorgeplänkel in diese Welt geworfen, sodass ich einige Seiten gebraucht habe, um mich vollends zurecht zu finden. Viele Nebencharaktere waren mir bis zum Ende namentlich nicht so vertraut, da ich die Masse, die Beziehungen der einzelnen Figuren in Summe für ein Stand Alone Fantasy-Roman einfach zu viel fand. Eine Aufteilung der Geschichte in mehrere Teile hätte in meinen Augen den Vorteil gehabt, dass man die Welt noch viel detaillierter hätte ausarbeiten können, sodass Wordbuilding und Charaktergestaltung nachvollziehbarer und auch wirkungsvoller gewesen wären. Wäre ich in diesem Punkt tiefer ins Buch eingetaucht, hätte ich den Protagonisten auch auf einer emotionalen Ebene begegnen können. So waren mir ihre Schicksale leider recht gleichgültig, was sich vor allem zum Ende hin bemerkbar gemacht hat. Den Inhalt fand ich hingegen grandios. Die Ideen und die Vielschichtigkeit der Handlungsstränge haben mich definitiv abgeholt. Hier kann ich keinerlei Kritik äußern, denn ich habe die Seiten nur so verschlungen. Sprachlich war es mir manchmal etwas zu kindlich, ich vermute dass dieses Buch auch Leser:innen im Jugendalter abholen soll. Das hat man hier und da gemerkt, aber das fand ich nicht weiter schlimm. Es bleibt halt sehr einfach in der Sprache und auch in der Satzbildung. Die Inhalte sind spannend und dem Autor gingen beim Schreiben scheinbar nie die guten Ideen aus. Aber für mich das Highlight – vermutlich mit Absicht – war das Ende. Ich kann gar nicht sagen, was für ein Ende ich erwartet habe, aber das definitiv nicht. Auf den beinahe 600 Seiten ließ sich kaum ein offensichtlicher Hinweis auf den Ausgang der Geschichte finden. Dennoch wird der Abschluss nicht losgelöst präsentiert, sondern logisch in die bisherigen Geschehnisse eingebaut. Das Ende ist absolut rund und hat mich vollends von dem Buch überzeugt, denn alles bis dahin Gelesene wird vollständig auf den Kopf gestellt.

Bewertung:

Das Debüt von Marius Kulin verrät vor allem eins über ihn: er hat geniale Ideen. Auch wenn er sich hier und da – vielleicht sogar unbewusst – an bekannte Fantasy-Erzählungen anlehnt, hat er dieser Geschichte von der ersten Seite an seinen eigenen Stempel aufgedrückt. Meine größte Kritik liegt letztlich bloß in der reduzierten Form. Die Entscheidung, das Buch als Stand Alone zu veröffentlichen, hat in meinen Augen viel an Wirkung, Emotionen und wirklich tiefgreifenden Momenten verloren gehen lassen. Die Charaktergestaltung an sich war schon recht umfassend und ging wirklich tief, jedoch hat das Ganze sich bei mir auf emotionaler Ebene nicht entfalten können, da eben auch viel Handlung passiert, viele Nebencharaktere Platz bekommen und das alles vor dem Aspekt der A-Storyline. Bei knapp 600 Seiten wünsche ich mir eigentlich schon Protagonisten, die sich am Ende wie Familie anfühlen. Das war hier leider nicht gegeben. Dennoch war das Buch inhaltlich genial und alleine für die Ideen von Marius Kulin und das großartige Ende eine Empfehlung wert.

Schreibstil: 3,5/5
Charaktere: 3,5/5
Geschichte: 5/5
Spannung/Atmosphäre: 4,5/5
Überraschungen/Wendungen: 5/5

Gesamtbewertung: 4,3/5

Bewertung: 4 von 5.