
Über das Buch:
Autorin: Mary Downing Hahn
Titel: Tief unten im dunklen Wasser
Originaltitel: Deep and Dark and Dangerous
Herausgeber: Festa Verlag
ISBN: 978-3-98676-243-8
Preis: 16,99 €

Inhalt:
Die 13-jährige Ali findet auf dem Dachboden ein altes Foto. Die beiden Kinder darauf sind ihre Mutter und ihre Tante Dulcie. Aber wer ist die dritte Person, die aus dem Bild herausgerissen wurde?
Als Ali die Sommerferien mit ihrer Tante und deren kleiner Tochter Emma in Maine verbringt – im selben Haus, in dem das Foto aufgenommen wurde –, begegnet sie dem Mädchen Sissy. Sissy ist boshaft und voller Zorn, und sie weiß mehr über das alte Foto …
Zunächst glaubt Ali, dass Sissy ihr nur Angst einjagen will. Aber bald greift der Tod tatsächlich nach ihr.
Meine Meinung:
Vorab muss man sagen, dass diese Geistergeschichte hervorragend ohne großartige Gewalt oder blutige Szenen auskommt. Der Grusel ist sehr subtil, aber dennoch kraft- und wirkungsvoll vorhanden. Protagonistin der Geschichte ist Ali, die durch Zufall auf Geheimnisse innerhalb ihrer Familie stößt. Ihre Neugier ist natürlich geweckt und sie will ihrer Mutter durch bohrende Fragen Antworten entlocken. Ihre Mutter selbst ist als Charakter sehr undurchsichtig. Sie wirkt oft abweisend und schnell wird klar, dass sie mit Depressionen zu kämpfen hat. Von ihr kann sie keine Informationen bezüglich der Vergangenheit erwarten. Dem gegenüber steht ihre coole Tante Dulcie. Künstlerin, locker und offen. Ali hängt sich an sie und darf nach einiger Diskussion ihre Tante Dulcie gemeinsam mit Cousine Emma auf eine Reise in die Vergangenheit begleiten: in das alte Cottage am See. Hier entfaltet sich die düstere Geschichte. Die beiden Mädchen lernen eine Einheimische kennen: Sissy. Sissy ist extrem boshaft und manipulativ. Ich habe bereits drei Bücher gelesen, in denen bösartige Kinder – ohne besessen zu sein oder durch den Einfluss dämonischer Kräfte – eine tragende Rollen spielen. Ich fand sie alle grandios verstörend. Der Gedanke, dass ein im Normalfall unschuldiges Wesen, dem die Welt noch nichts Böses geboten hat, derart grauenvoll in seinem Auftreten und seinen Handlungen sein kann, geht mir jedes Mal an die Nieren. So war es auch bei Sissy. Sie ist für mich der Transporteur der beklemmenden Stimmung. Ihre manipulative Art ist perfekt ausgearbeitet und hat in mir durchgängig negative realistische Emotionen aufwallen lassen. Um es ganz klar auszudrücken: Ich habe ihren Charakter gehasst und nichts als Wut auf sie verspürt. Damit schlüpfe ich unwillkürlich in das Gedankenkarussell von Protagonistin Ali, denn sie ist Ziel der gnadenlosen Schikanen und verbalen Angriffe von Sissy. Kinder gegen Kinder. Das Gefühl von Machtlosigkeit und wütender Angst ist allumfassend. Ich muss dazu sagen, dass die Entwicklungen innerhalb der Geschichte und rund um Sissy keine besonders große Überraschung waren. Auf dem Weg zum Ende kann man sich recht viel zusammenreimen, die Geschichte bietet wenig unerwartete Momente oder Abschweifungen. Aber das habe ich auch nicht vermisst, denn die Grundstimmung ist stark genug, um eine durchschnittliche Geschichte großartig wirken zu lassen. Und auch wenn das Ende in seiner Stimmung eine gänzlich andere Richtung einschlägt, als der bisherige Inhalt, habe ich es sehr gemocht. Es gibt eine klare Auflösung, eine Entschärfung der Situation und die Autorin schafft es, ein Gefühl von Melancholie und leiser Trauer in ihrem Schlussteil des Buches zu transportieren.
Bewertung:
Für Gruselfans, die keine blutgetränkten Seiten beim Lesen brauchen, ist dieses Buch perfekt. Die Charaktere haben viel Tiefgang und die inhaltliche Konzentration liegt auf psychologischer Tiefe und zwischenmenschlichen Aktionen. Bei mir wurden während des Lesens teilweise so viele negative Emotionen ausgelöst, dass ich über die flache, teils vorhersehbare Geschichte prima hinweg sehen konnte. Mary Downing Hahn besticht nicht unbedingt durch sensationell einzigartige Inhalte, dafür aber umso mehr durch psychologischen Grusel, tiefgreifende Emotionen und Atmosphäre. Alleine diese Empfinden haben mich süchtig nach ihren Geschichten gemacht und ich freue mich, dass „Meine Freundin Helen“ von ihr noch in meinem Regal darauf wartet, gelesen zu werden.
Schreibstil: 5/5
Charaktere: 5/5
Geschichte: 3/5
Spannung/Atmosphäre: 5/5
Überraschungen/Wendungen: 2,5/5
Gesamtbewertung: 4,1/5