
Über das Buch:
Autorin: Monika Grasl
Titel: Die Zahnfee
Verlag: Silberkrone Verlag
Genre: Thriller
ISBN: 978-3-903387-84-3
Preis: 15,99 €

Inhalt:
Budapest im Jahr 2070. Die gezielte Überwachung jedes Winkels der Stadt soll für absolute Sicherheit sorgen. Doch die Metrolinie 4 ist ein gefährlicher und blutrünstiger Ort für ihre Passagiere. Die Mordrate steigt sprunghaft an und ruft den Leiter der Mordkommission Agoston Balogh auf den Plan. Zusammen mit seinem Kollegen Panni Sipos versucht er das Rätsel um die fehlenden Zähne der Toten zu lösen.Zur gleichen Zeit beauftragt Gwenael, Königin eines längst vergessenen Volks, ihre fähigste Leibwächterin mit der Suche nach ihrem Sohn Tin. Auf den Spuren einer längst vergangenen Zeit versucht er in Budapest zu den Wurzeln seines Selbst zurückzufinden. Doch dadurch offenbaren sich seine innigsten Wünsche und Gelüste, welche zur Gefahr für die gesamte Bevölkerung werden. Agoston und die Leibwächterin Yves sind somit gezwungen zusammenzuarbeiten, um das Leben aller vor dem Untergang zu bewahren.Doch welchen Preis wird jeder von ihnen bezahlen müssen, um die Zukunft von Budapest zu bewahren?
Meine Meinung:
Als ich das Buch begonnen habe, ist mir aufgefallen, dass ich den Klappentext und somit den groben Inhalt komplett vergessen habe. Demzufolge bin ich blind in dieses Buch eingestiegen. Ich habe eine ganz andere Story erwartet. Statt eines Mörders, der die Zähne seiner Opfer sammelt (wie von mir angenommen), erwartet den Leser im Buch eine Adaption der Legende der Zahnfeen. Autorin Monika Grasl hat die liebenswerten Feenwesen, die fleißig Milchzähne sammeln, zu grausamen Figuren auferstehen lassen. Ich muss sagen, dass mich die Idee zutiefst beeindruckt hat. Ich persönlich habe eine derartige Geschichte noch nie gelesen. Dabei wurde eine umfassende Gesellschaftsstruktur erarbeitet, die authentisch und fesselnd wirkt. Die Zahnfeen, ihr Leben, ihr Äußeres und die Geschichte dahinter wurden sehr detailliert beschrieben. Beinahe wirkt es, als könnte ein derartiges Volk tatsächlich im Verborgenen unter uns leben. Die Geschichte hatte mich vom ersten Moment an in ihrem Bann. Zu den faszinierenden Wesen der budapester Unterwelt kommt noch die übersichtliche Anzahl an menschlichen Charakteren, die – ohne es zu wissen – einem Mythos nachjagen. Die Gegenüberstellung und unwissentliche Verschmelzung dieser beiden Völker geschieht mit einer unglaublichen Raffinesse. Träger der Geschichte sind mehrere Charaktere. Da wären die Kollegen der Mordkommission: Agoston und Panni, außerdem Tin, Yves und Gwenael – Zahnfeen mit diversen Stellungen innerhalb ihres Volkes. Die Charaktere werden alle tiefgehend beschrieben und wirken sehr vielschichtig ausgearbeitet. Bis zum Ende hin wirkt es, als findet eine ständige Verschiebung der Protagonisten statt. Dabei legt sich der Fokus des Inhaltes mal mehr, mal weniger stark auf jede einzelne Figur. Dadurch hat man als Leser nicht den einen tragenden Charakter der Geschichte, sondern eine Geschichte, die von den Taten der Figuren lebt. Die Autorin schreckt auch nicht vor blutrünstigen Schilderungen zurück. Jeder der bereits mit Zahnschmerzen oder einem Besuch beim Zahnarzt in Berührung gekommen ist, kann am Rande erahnen, welche Qualen die Opfer der Zahnfeen erleiden müssen. Ein Element, das ich gelungen und schockierend nachvollziehbar zugleich fand. Die Geschichte selbst ist in sich abgeschlossen, beantwortet alle ausstehenden Fragen und macht einen runden Gesamteindruck auf mich.
Bewertung:
Dieser Thriller genießt meine absolute Empfehlung. Er spielt sich im Jahr 2070 ab und spricht, passend dazu, die Veränderungen der menschlichen Gesellschaft an, die die Zukunft mit sich zu bringen scheint. Mit 282 Seiten ist das Buch zwar recht kompakt, dabei beinhaltet es allerdings einen sehr intensiv ausgearbeiteten roten Faden mit Tiefgang, einer großartigen Grundidee und ausreichend Spannung. Für düstere, verregnete Herbsttage eignet sich dieses Buch hervorragend – Gerne mehr davon!
Schreibstil: 5/5
Charaktere: 5/5
Geschichte: 5/5
Überraschungen/Wendungen: 3,5/5
Spannung/Atmosphäre: 4,5/5
Gesamtbewertung: 4,6/5