Saskia Calden: Die falsche Patientin

Gekennzeichnet als Rezensionsexemplar

Über das Buch:

Inhalt:

Die Journalistin Judith Lennard erwacht in einem Albtraum. Nach einem angeblichen Selbstmordversuch wurde sie unter falschem Namen in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen. Beharrlich unterstellt man ihr hier ein Leben, das nicht das ihre ist. Verzweifelt versucht sie ihre Schwester zu erreichen, doch deren Nummer ist nicht vergeben. Keiner will ihr glauben, und schon bald steht fest: Sie kommt hier nie wieder raus.
Kommissarin Evelyn Holm von der Mordkommission Freiburg wird zu einem Parkhaus gerufen. Eine Rechtsanwältin wurde mit vier Messerstichen brutal getötet. Evelyns Team hat es mit einem undurchsichtigen Fall zu tun, bis die Spur zu einer gewissen Judith Lennard führt. Doch diese scheint spurlos verschwunden …

Meine Meinung:

Dieses Buch von Saskia Calden ist bereits der zweite Evelyn-Holm-Thriller. Man muss theoretisch den ersten Teil nicht gelesen haben, um in diese Geschichte zu finden. Es werden allerdings immer wieder kleine Bezüge zum Vorgänger hergestellt, die zwar mit der eigentlichen Handlung nichts zu tun haben, jedoch fand ich es persönlich schön zu erfahren, wie der erste Fall der Kommissarin noch gewisse Stellen in ihrem Leben begleitet. Auch hier haben wir vorherrschend zwei Perspektiven. Einerseits die von Judith, die vermeintlich zu Unrecht in eine Psychiatrie gebracht und dort verwahrt wird. Andererseits, wie gewohnt, die Perspektive von Evelyn, durch die wir im Rahmen der Ermittlungsarbeit auf dem Laufenden gehalten werden. Außerdem lässt sich sagen, dass die Kapitel eine angenehm kurze Länge haben. Dadurch findet man sehr schnell in die Geschichte und schafft es auch bequem die knapp 400 Seiten in einer Sitzung zu lesen – so ging es mir zumindest. Das hängt aber nicht nur mit der Länge der Kapitel zusammen, sondern tritt gepaart auf mit dem einfachen, fließenden Schreibstil und natürlich dem Inhalt. Wenn wir ehrlich sind, sind Psychiatrien ein beliebtes Setting für Thriller. Und oft ist es natürlich nicht leicht, altbekannte Elemente aufzugreifen und neue Ideen einfließen zu lassen. Auch hier ist es so, dass Vieles nicht unbedingt neu ist. Jedoch hat die Autorin das Gefühl der absoluten Hilflosigkeit genial übermitteln können. Ich habe teilweise wirklich mit Judith gelitten, da sie in ihrer Glaubwürdigkeit so authentisch und heftig untergraben wurde. Im Vergleich zum Vorgänger muss ich sagen, dass brutale Sequenzen eher nicht vorhanden waren, aber die hat es für mein Dafürhalten auch nicht gebraucht. Die psychologischen Angriffe stehen hier im Vordergrund, sind weitaus passender und kreieren eine authentisch beklemmende Atmosphäre beim Lesen. Zur Handlung selbst kann ich nur sagen, dass ich die Aufklärung des Falls als sehr geradlinig empfunden habe. Es gab keine verwirrenden Abweichungen oder unnötige Ausschweifungen. Für Überraschung konnte innerhalb der Geschichte damit eher bedingt gesorgt werden, trotzdem habe ich mit der ein oder anderen Vermutung meilenweit daneben gelegen. Die Charaktere sind ebenso authentisch und extrem vielseitig. Hier haben mich tatsächlich die meisten Überraschungen erwartet, denn Saskia Calden hat sehr viele Wölfe im Schafspelz in die Geschichte geschmuggelt, ohne dass es dabei am Ende überladen oder unglaubwürdig wirkte.

Bewertung:

Müsste ich mich entscheiden, würde ich dieses Buch noch vor „Puppenwald“ empfehlen. Mir persönlich gefallen Psychiatrie-Thriller immer sehr gut. Die Atmosphäre, die gefühlte Hilflosigkeit und das beklemmende Gefühl beim Lesen schaffen es immer wieder, mich abzuholen. Diese Punkte hat Saskia extrem gut übermitteln können. Außerdem mochte ich die Geschichte, so wie deren Auflösung. Alles wirkte stimmig, ohne Logiklücken und nachvollziehbar. Wenn ich auf der Suche nach einem fesselnden, atmosphärisch starken und positiv unangenehmen Thriller bin, dann bin ich bei dieser Autorin immer an der richtigen Stelle.

Schreibstil: 5/5
Charaktere: 5/5
Geschichte: 4,5/5
Spannung/Atmosphäre: 4,5/5
Überraschungen/Wendungen: 4/5

Bewertung: 4.5 von 5.