
Über das Buch:
Autor: Simon Lokarno
Titel: Der Mann aus einer anderen Welt
Verlag: Redrum Verlag
Genre: Horror
ISBN: 978-3959574198
Preis: 14,99 €

Inhalt:
Nachdem die gesamte Menschheit in einen ominösen Dornröschenschlaf fällt, findet sich der junge Start-up-Gründer Joshua als letzter Mensch wieder, der bei Bewusstsein ist.
Doch da ist noch jemand in dieser totenstillen neuen Welt. Dämonenartige Kreaturen machen Jagd auf ihn. Ein Kampf um Leben und Tod beginnt.
Die Wesen verschleppen Joshua kurz bevor dessen Realität kollabiert in das einzig wahre Universum. Eine Welt, die der Hölle gleicht. Hier wird er nun mit der Aufgabe seines Lebens konfrontiert.
Meine Meinung:
Dieses Buch war mein erstes überhaupt vom Autor. Gleich zu Beginn hat mich vor allem eine Sache positiv überrascht und beeindruckt: der Schreibstil. Simon Lokarno schreibt, wie man jedes Buch gerne hätte. Er nutzt einen unglaublich poetischen, intelligenten und wortgewandten Schreibstil, selbst für die banalsten Situationen und hebt sich dadurch in meinen Augen extrem von anderen Horror-Autoren ab. Man hat das Gefühl eine hochwertige Geschichte in den Händen zu halten, in der jeder Satz durchdacht und damit enorm wirkungsvoll daherkommt. Joshua mochte ich von Beginn an. Er ist unser Protagonist und zunächst begleiten wir ihn ein Stück in seinem Alltag, bekommen kleine Happen aus seiner Vergangenheit serviert und steigen so hinter seine Motivation, sein Leben auf diese Art zu gestalten. An seiner Seite – mehr oder weniger wichtig – seine beste Freundin Marie, die äußerlich nicht mehr mit Joshua mithalten kann, innerlich könnten sich die beiden kaum ähnlicher sein. Hier und da gibt es noch gewisse Side-Charaktere, jedoch reduziert sich die Charakterübersicht recht schnell und nur einer bleib übrig: Joshua. Nach dem merkwürdigen Wegfallen jeglicher menschlicher Zivilisation fällt Joshua in eine semischwere Identitätskrise. Und lange Zeit dreht sich der Inhalt um Joshua in dieser „neuen“ Welt. Er versucht den Grund für den apokalyptische Zustand der Menschheit zu finden und trifft dabei auf unaussprechliche Brutalität. Ich persönlich habe die Mischung aus gut platzierter Brutalität, bedrückender Atmosphäre und dem ständigen Präsent-Sein der gigantischen Ausweglosigkeit als genial empfunden. Die ersten zwei Drittel des Buches waren für mich wirklich ein literarischer Genuss und dann kam die Wendung. Der Klappentext deutet bereits an, dass Joshua nicht lange alleine bleiben wird. Und genau dieser Twist hat dafür gesorgt, dass mich die Geschichte etwas verliert. Nicht weil ich inhaltlich keinen Gefallen gefunden habe. Ich konnte leider sehr oft der Handlung nicht mehr folgen, musste Passagen doppelt lesen und konnte das Gefühl vom Anfang der Geschichte in mir selbst nicht mehr aufrufen. Das Ende wiederum rundet das ganze Buch wirklich ab und beweist, dass Simon Lokarno wirklich tiefgründige Geschichten kreieren kann, die auch im Nachhinein noch zum Nachdenken anregen.
Bewertung:
Da ich den Autor bisher nicht kannte, bzw. seine Werke, bin ich ohne Erwartungen und gänzlich unvoreingenommen an diese Geschichte gegangen. Bereits nach weniger als zehn Seiten war ich hin und weg von der hohen Schreibkunst, die Simon Lokarno hier anwendet. Ich hab mich selten so wohl zwischen Zeilen eines Buches den Genre Horror gefühlt. Auch inhaltlich konnten mich die ersten zwei Drittel extrem mitreißen, die entsprechenden Emotionen transportieren und dadurch in mir Beklemmungen, Neugierde und stellenweise echt Ekel hervorrufen. Das Ende war dann leider nicht gänzlich nach meinem Geschmack, da ich persönlich einfach keinen umfassenden Zugang mehr zu den Schilderungen finden konnte. Trotz allem konnte und wollte ich das Buch nicht aus der Hand legen und ich bin sicher, dass ein anderes Buch des Autors mein persönliches Highlight sein könnte.
Schreibstil: 5/5
Charaktere: 5/5
Geschichte: 3/5
Spannung/Atmosphäre: 5/5
Überraschungen/Wendungen: 3/5
Gesamtbewertung: 4,2/5