
Über das Buch:
Titel: Homunkulus
Autor: Sidney Barth
Herausgeber: story.one publishing (24. September 2024)
Genre: Mystery-Horror
ISBN: 978-3711556189
Preis: 18,00 €

Inhalt:
Jeder, der in Berlin lebt, kennt das Problem. Einen guten Arzt zu finden, welcher dann auch noch Behandlungskapazitäten hat ist eine Herkulesaufgabe. Nach einer grausigen Begegnung in der U-Bahn ist eine junge Studentin gezwungen, einen Augenarzt aufzusuchen. Nach einer Odyssee in verschiedenen Praxen findet sie schließlich einen Augenarzt, der endlich zu ihren Bedürfnissen zu passen scheint. Zu diesem Zeitpunkt weiß sie jedoch noch nicht, welche drastischen Konsequenzen dieser Arztbesuch auf ihr Leben haben wird.
Meine Meinung:
Das Cover macht schon einiges her und obwohl ich auf etwas mehr als 70 Seiten nicht allzu viel Tiefgang erwartet habe, hat mich das Buch überraschen können. Es startet zunächst in einer alltäglichen Situation, die mir jedoch schon die Haare hat zu Berge stehen lassen: eine nächtliche U-Bahn-Fahrt. Da die namenlose Protagonistin eine Frau ist, konnte ich mich perfekt in sie hineinversetzen. Die Gefühle die man in einer solchen Situation verspürt, wenn man dann auch noch ungewollt eine gewisse Aufmerksamkeit auf sich zieht, sind für mich überaus greifbar und nachvollziehbar. Ich habe tatsächlich das Gefühl, dass das Geschlecht der Protagonistin für den eigentlichen Inhalt der Geschichte austauschbar gewesen wäre. Ebenso wird der Leser auch nicht über den Namen unserer Hauptfigur informiert. Aber auch das empfand ich tatsächlich als nebensächlich, da für den Inhalt einfach keine Notwendigkeit dahingehend besteht. Ich hatte das bisher in einem Buch so noch nicht. Ist der Autor sich seiner Geschichte jedoch bewusst, benötigt es tatsächlich außer der Handlung und einem Träger der Ereignisse nichts weiter. Obwohl das Buch nur etwas mehr als 70 Seiten umfasst, packt Sydney Barth allerlei in seine Geschichte, ohne sie dabei zu überladen. Als Leser bekommt man eine unerwartete Ausführlichkeit dargeboten. Meiner Neugier ist es geschuldet, dass an der ein oder anderen Stelle noch offene Fragen entstanden sind, deren Beantwortung ich mir für ein runderes Gesamtbild gewünscht hätte. Allerdings muss man bei einem Buch des Genre Mystery-Horror wohl mit einem geheimnisvollen Hintergrund rechnen. Inhaltlich gelingt Sydney Barth perfekt der atmosphärische Spagat zwischen Wahn und Realität, was für mich den größten Teil der Spannung kreiert hat. Ich persönlich würde die geschilderten Elemente der Kategorie Horror insoweit zuordnen, als dass ich tiefen Ekel an einigen Stellen empfunden habe. Um nichts in der Welt hätte ich an der Stelle der Protagonistin sein wollen, obgleich ihr körperliches Grauen zunächst heilbar und beinahe schon harmlos erscheint. Die Entwicklung innerhalb kürzester Zeit hat den Horror innerhalb weniger Seiten verstärkt. Das Ende wirkt offengelassen und bietet weiteren Spielraum für Spekulationen oder gar eine indirekte Fortsetzung.
Bewertung:
Das Zusammenspiel aus Cover und Inhalt finde ich großartig. Auf wenigen Seiten entführt der Autor den Leser in eine banale Geschichte, deren Beginn so alltäglich erscheint, dass man sich sofort in das Setting und die Atmosphäre einfinden kann. Der Inhalt ist knackig, aber trotzdem nicht rein oberflächlich gehalten. Mich hat es wirklich gut unterhalten und vielleicht war das ja noch nicht alles, was Sydney Barth zu Homunkulus zu sagen hat.
Schreibstil: 5/5
Charaktere: 3,5/5
Geschichte: 4/5
Spannung/Atmosphäre: 5/5
Überraschungen/Wendungen: 3,5/5
Gesamtbewertung: 4,2/5