Vi Keeland: Into The Abyss

Gekennzeichnet als Rezensionsexemplar

Über das Buch:

Inhalt:

Nach einem tragischen Verlust ist die erfolgreiche New Yorker Psychiaterin Dr. Meredith McCall nur noch ein Schatten ihrer selbst – bis sie auf Gabriel Wright trifft, der mit ihrem schmerzvollsten Kapitel verbunden ist. Wie kann er so unbeschwert weiterleben, während ihr Leben in Scherben liegt? Aus der zufälligen Begegnung wird schnell eine düstere Obsession. Als Gabriel schließlich unwissend in ihrer Praxis auftaucht, steht Meredith vor einer Entscheidung, die alles gefährdet – ihre Karriere, ihre Moral und ihre geistige Gesundheit. Was als harmlose Neugier beginnt, wird zu einer gefährlichen Anziehung, die sie immer tiefer in den Abgrund reißt. Doch was sie über Gabriel erfährt, könnte alles zerstören, woran sie je geglaubt hat. Und die wahre Katastrophe steht noch bevor.

Meine Meinung:

Für mich war dies das erste Buch von Vi Keeland. Direkt von der ersten Seite an hat mich der einfache, aber doch packende Schreibstil direkt abgeholt. Man findet sehr schnell in die Geschichte. Protagonistin Meredith hat einen schweren Schicksalsschlag zu verarbeiten. Ihr ganzes Leben wurde dadurch gründlich zerstört und stellt ihr bisher in Sicherheit geglaubtes Glück in Frage. Durch punktuell platzierte Kapitel, die die Vergangenheit beleuchten, erfährt der Lesende nach und nach, welche Momente zum düsteren Wendepunkt im Leben der Protagonistin führten. Spannend empfand ich dabei, dass Meredith selbst Psychologin ist. Während ihre eigene Psyche zunehmend zweifelhafter und brüchiger wird, sitzt sie als praktizierende Ärztin in einem spiegelnden Verhältnis wieder Patienten gegenüber. Ganz zentral beinhaltet das Buch Themen wie Obsession, Manipulation, Stalking, Drogenmissbrauch und moralische Grauzonen. Dieser verwirrende Strudel der genannten Themen entfaltet eine gute Sogwirkung während des Lesens. Oft stellte sich mir auch die Frage nach Wahn und Realität. Meredith fand ich dabei trotz ihres widersprüchlichen Verhaltens nicht nervig, wie es manchmal bei derart unentschlossenen und unstimmig agierenden Charakteren der Fall ist. Im Gegenteil, ihre Figur zeigt sehr authentisch die Folgen psychischer Krankheitsbilder. Im Kopf ist sie sich der Falschheit ihrer Taten vollkommen bewusst und auch Einsicht und der Vorsatz von Veränderung werden von ihr kommuniziert. Gleichzeitig zeigen ihre Handlungen entgegen ihren Gedanken, jedoch, wie schwer es ist, festgefahrene obsessive Verhaltensmuster zu durchbrechen, wenn sich gute Gelegenheiten zum Rückfall bieten. Ich empfinde die tiefgründige Ausarbeitung ihres psychischen Zustandes als sehr authentisch und gelungen. Ich mochte auch das ihr verordnete Strafmaß: das Aufsuchen eines Therapeuten ihrerseits. Hierdurch bekommt man eine neutrale Stimme im Buch, die es schafft gewissen Situationen zu entschärfen und zu erden. Dennoch reicht auch Dr. Alexander nicht aus, um permanente Sicherheit des Lesenden zu garantieren. Die Autorin platziert gezielte Momente der Überraschung, die mir mehr als einmal die Kinnlade haben herunterfallen lassen. Denn obgleich Meredith am Abgrund des Wahnsinns steht, wird auch die Psyche von einem selbst nicht verschont. Man fängt an an allem Gelesenen zu zweifeln, verliert die Wahrheit, die man vermeintlich zu kennen glaubt, aus den Augen und die von Beginn an als wahr geglaubten Ereignisse lösen sich mit jeder neuen Offenbarung in Luft auf. Dabei behält Vi Keeland aber die Authentizität aller Handlungsstränge bei, ohne in Übertreibungen abzudriften. Und als man zum Schluss endlich glaubt, die Geschichte sei erzählt, alle Fragen beantwortet und der rote Faden endlich vollständig, kommt der letzte Knall. Eine letzte Perspektive, die alles Gelesene völlig umwirft, mehr Fragen aufwirft als bis dato beantwortet wurden und einfach sprachlos zurücklässt. Ich habe mit keinem Gedanken an einen solchen Plottwist gedacht und hätte ehrlich nicht überraschter sein können. Ein grandioses Ende, das einen innerhalb von fünf Seiten zwingt, das Buch gründlich und in allen Einzelheiten zu überdenken und die Geschichte erneut zu durchleben.

Bewertung:

Für mich ist dieses Buch schlicht großartig. Es präsentiert in den nötigen Momenten Ruhe ebenso, wie Spannung dort wo sie sinnvoll ist. Zentrales Thema ist definitiv die Psyche mit all ihren dunklen Facetten. Und dieses Thema krempelt Vi Keeland bis aufs Äußerste um, spielt damit, konstruiert und leitet in die Irre. Vor einer gehörigen Portion Authentizität gelingt es ihr dabei dennoch, einen spannenden und mitreißenden Plot am Leben zu erhalten. Angefangen bei den Figuren bis hin zu jeder Wendung, jedem noch so kleinen Hinweis, ist dieses Buch pure Unterhaltung und ich kann es nur jedem empfehlen, der eben jene Unterhaltung in den oben erwähnten Themen findet.

Schreibstil: 5/5
Geschichte: 5/5
Charaktere: 5/5
Spannung/Atmosphäre: 5/5
Überraschungen/Wendungen: 5/5

Bewertung: 5 von 5.